
eine angeht, das geht auch das andre an; es ist eins so mächtig, so ungeheuer
und unermesslich groß, wenn man eine solche Größe annehmen will, wie das andre.
Die Meere und Tiefen von ursprünglichen Elementen sind es, woraus wir immer neu
strömen und zusammenrollen; und unsre Urnatur ist unendlich göttlicher und
erhabner als das augenblicklich zusammengeballte Eins verschiedner Kräfte; nach
dem hohen Plato nur eine Stockung im unsterblichen Fluße der Glückseligkeit.
    Ardinghello. Aber dass etwas sein muss, was das Weltall zusammenhält, ist wohl
klar genug! eine unbekannte Ursache an und für sich, doch bekannt in ihren
Wirkungen; ein Wesen, das die andern Elemente zusammenbändigt von ihrem Schlafe
zum Leben, zur Existenz, zur Harmonie und Einheit.
    Wenn ich meinen Körper betrachte und bedenke, dass ich ihn selbst soll
zusammengearbeitet und gebildet haben, und doch nichts davon weiß oder, welches
einerlei ist, dass das erste Menschenpaar dies soll getan haben: so dünkt mir
augenscheinlich, dass ich nicht von mir selbst abhange und dass eine unbekannte
Ursach im Spiel ist. Anfang und Ende ist für keines Menschen Kopf und ebenso
unbegreiflich, wie Verschiednes ein lebendiges Eins macht. Unsre offenbare
Willkür, der vorher bestimmte Endzweck aller unsrer Sinnen zum Beispiel, das
Forterhalten der Gattungen, bleibt unerklärlich und übersteigt die feinste
Philosophie.
    Demetri. Vielleicht wird sich dies noch aufhüllen.
    Wir erkennen uns bloß als Zusammensetzung, als Wirkung und nicht als
Ursache. Bei uns ist sie mit unserm Verstand eins, und es findet da kein
Gezweites statt; bei andern Dingen lässt sie vielleicht den Sonnenstrahl, so wie
ihn unser grobes Auge blickt, nicht in ihre Verborgenheit. Rein existiert sie
bloß in ihrer ursprünglichen Vortrefflichkeit, schwebt im Genuss ihrer selbst:
und vermischt erkennt sie nur die Vermischung.
    Liebe und Krieg ist ewig auf den Grenzen verschiedner Natur; jene nennen wir
Ordnung, Leben, Schönheit, und wie die Namen alle lauten. Wie Kinder scheuen wir
Tod und Vergehen; wir würden bei beständiger Dauer in immer einerlei
Zusammensetzung vor Langeweile endlich auf ewiger Folter liegen in unsrer
kleinen Eingeschränkteit. Die Natur hat sich aus eignen Grundtrieben dies Spiel
von Werden und Auflösen so zubereitet, um immer in neuen Gefühlen selig
fortzuschweben; und unser Beruf ist, dies zu erkennen und glückselig zu sein.
Pythagoras hatte recht: die Welt ist eine Musik! Wo die Gewalt der Konsonanzen
und Dissonanzen am verflochtensten ist, da ist ihr höchstes Leben; und der Trost
aller Unglücklichen muss sein, dass keine Dissonanz in der Natur kann
liegenbleiben. Die höchsten Granitfelsen der Alpen und des Kaukasus zermalmen
endlich die Regen des Himmels und die Katarakten der Eisdecken auf ihren
Gipfeln, und unsre Jahrtausende sind Momente der Ewigkeit. Kommen wir einmal zum
Teil in den
