 Landesgesetzen unter mancherlei Namen, ohne sie näher zu bestimmen, und
riet seinen Freunden dasselbe.
    Dem Plato, Aristoteles und andern Denkern aber war damit wenig gedient, und
sie gingen so weit, als sie nur vermochten. Jener sprach über den allgemeinen
Verstand in erhabenen Dichtungen; und der kühne Titan von Stagira belagerte
regelmäßig endlich nach den feinsten Erfindungen der scharfsinnigsten Taktik;
und seine Anhänger behaupten, er sei in die innerste Festung eingedrungen.
Darauf und daran muss der Herrliche, der in so vielem andern an der Spitze der
Menschheit stand, gewiss gewesen sein.
    Plato schreibt noch am Ende seiner Tage den Gestirnen den höchsten Verstand
zu. Anfangs bedacht er sich lang über die Sonne und konnte nur damit nicht ins
reine kommen, wie wir lebten und so hell im Geiste sähen, wenn sie unterginge
und es Nacht wäre.23 Dass alles Lebendige erfrieren, zu toten Klumpen erstarren
müsste, wenn nichts von ihren Strahlen zurückbliebe, wird ihm wohl einmal im
Winter die Bedenklichkeit gehoben haben. Vielleicht schloss er gar noch ferner,
dass alles Licht und alles Feuer und alle Wärme auf unserm kleinen Erdboden bloß
in Materie gefahrne Strahlen der Göttlichen und der Gestirne sind, die jene, von
nichts gehemmt, durchdringen, regen, richten; woher alles einzelne Lebendige
denn Bildung, Form und sein Recht hat; bis sie wieder von andern aufgenommen
werden oder sich selbst absondern in Rückerinnerung der alten überschwenglichen
Wonne; und dass die Massen und Körper, die deren am mehrsten enthalten, die
lebendigsten sind. Wenigstens ist dies der Grundstoff zu seinem glänzenden
theologischen System, worüber Julian noch abtrünnig wurde.
    Überhaupt hielten die mehrsten alten Philosophen das Feuer für das
Göttlichste in der Natur.«
    »Die großen Dichter dieser hohen Zeiten für die Menschheit«, fiel ich ein,
»hatten um eine Stufe natürlichre Metaphysik und nahmen das Sinnlichre und
Nähere. Sie meinten, wir schöpften die bewegende Kraft mit dem Atem, und sie sei
in der Luft befindlich, und nannten sie Zeus, nach dem wörtlichen Sinn, wodurch
sie lebten; und einige Philosophen schlugen sich zu ihrer Partei.
    Sophokles sagt: Zeus, der alles fasst, in alles dringt, uns näher verwandt
ist als Vater, Mutter, Bruder, Schwester. Und an einem andern Orte: Welcher
Menschen Übermut, o Zeus, hemmt deine Macht, die der uralte Schlaf nicht
ergreift und die unermüdlichen Monden! Unalternd durch der Jahre Wechsel nimmst
du Herrscher den strahlenden Glanz vom Olymp ein; dir ist der Augenblick, die
Zukunft und Vergangenheit untertan.
    Und Euripides sagt geradezu: Siehst du über und um uns den unermesslichen
Äther, der die Erde mit frischen Armen rund umfängt? Das ist Gott!
    Und Aristophanes, sein Antagonist, ruft ebenso aus:
