 den Altar gelehnt noch aufrecht. Alle warfen die Gewänder ab,
zu entfliehen.
    Man mochte die Gruppe in den Zeiten, für welche sie bestimmt war,
betrachten, wie man wollte: so musste sie die stärkste Wirkung hervorbringen;
entweder als Naturtrauerspiel für das ganze menschliche Geschlecht: ein Vater,
der bei Rettung seiner Kinder umkömmt; oder als Strafe der Götter. Und als
Kunstwerk konnt ihr kein anders den Rang der ersten Klasse streitig machen. Für
uns bleibt sie Naturtrauerspiel, und die Kreatur seufzt dabei im Innern über die
notwendigen Leiden auch des Guten und Gerechten und schaudert in ihr Unvermögen,
ihre Unwissenheit zurück.
    Wenn man die Vorstellungen, wo der Körper leidet und das Leben vergeht,
unter eine besondere Klasse bringen wollte, so möchte das Lob, welches Plinius
dieser Gruppe erteilt, wohl am wenigsten können bestritten werden und sie unter
allen dieser Art mit der Niobe obenan stehen. Der an seiner Wunde Sterbende des
Ktesilaos, woran man sehen konnte, wieviel noch Seele übrig war, gehörte als
einzelne Figur dahin, so wie der Hinkende, vielleicht Philoktet, des
Leontinischen Pythagoras, dessen Geschwüres Qual die Betrachtenden zu empfinden
meinten; die Verwundeten Amazonen, bis auf den berühmten Hund des Lysipp im
Kapitol, der voll Schmerz und natürlicher Todesschrecken in abgesetztem Lauf und
Hast seine Wunde leckte und für welchen die Aufseher mit ihrem Leben stehen
mussten.
    Der letzte Akt unsers Drama hienieden scheint vorzüglich ein Vorwurf der
Malerei gewesen zu sein: Apelles tat sich darin hervor; alle aber übertraf der
Landsmann Pindars: Aristides. König Attalus erkaufte einen Kranken von ihm mit
hundert Talenten; und Alexander ließ das Gemälde, wo die an ihren Wunden
sterbende Mutter das sich anklammernde Kind von der Brust abhielt, damit es kein
Blut saugte, nach seinem Geburtsort bringen. In eben dieses Meisters Schlacht
mit den Persern von hundert Figuren war ohne Zweifel manches Vortreffliche
dieser Art. Die Farbe macht hier keine Kleinigkeit aus und reißt, gut aus der
Natur empfunden, mit Gewalt zur Täuschung. Unter den neueren Werken mag Peter der
Märtyrer von Tizian wohl hierin obenan stehen.
    Für Sultane sind dies heilsame Bilder, um sie zuweilen an ihre
Menschlichkeit zu erinnern; und das größte Meisterstück davon stand in den
kaiserlichen Bädern an seinem rechten Platz. Ich aber für mich muss aufrichtig
gestehen, dass ich in meinem Bad oder Schlafzimmer ein Kunstwerk erfreulichrer
Art aufgestellt haben möchte; wär es auch der verstümmelte Herkules, an welchem
meine Phantasie noch obendrein immer zu schaffen hätte; denn für beständig möcht
ich die Gnidische Venus nicht.
    Der Torso ist das Höchste von einem Ringerkörper; der Sohn der Wundernacht,
aus dessen Armen sich der dreifache Geryon nicht loswand, ruht und sitzt auf
seinem Löwenfell. Man findet nichts mehr übrig von alter
