 man schon aus der Theorie der Kunst und den bloßen
Nachrichten beweisen könnte, dass das Lob des Plinius gerecht sei, auch ohne den
Olympischen Jupiter vor sich zu haben.
    Und gewiss, wem zuerst die Idee von der Gruppe des Laokoon in der Seele
aufging, und wer in seinem Herzen, in seiner Hand Mut und Fertigkeit genug
fühlte, sie auszuführen: der war zum Bildhauer geboren wie Sophokles zum
Dichter. Man darf kein großer Psycholog sein, um zu erkennen, dass das Ganze nur
von einem Wesen stammt und dass die zwei andern Triumvirn allein ihre
Geschicklichkeit dazu herliehen.
    Die schönsten Formen aller Art an der Doppelgattung des menschlichen Körpers
waren von dem feinsten Gefühl, dem heitersten griechischen Sinn in den manchen
tausend Statuen schier erschöpft, als die Götterkraft unsers Geistes im
Agesander noch den kühnsten Flug begann und alles überschwebte.
    Der hohe Meister fand den herrlichsten Vorwurf zu seinem Kunstwerk in der
griechischen Religion und umgriff damit Himmel und Erde. Die Gruppe des Laokoon
ist von derselben Gattung wie die der Niobe, nur atmet daraus mehr tragischer
und bildender Geist. Lesen wir zuerst, was von seiner Geschichte aufgezeichnet
steht, im Hygin.
    Laokoon, erzählt dieser, war ein Sohn des Akötes, Bruder des Anchises und
Priester des Apollo. Da er wider dessen Willen heuratete und Kinder zeugte und
ihn alsdenn das Los traf, dass er dem Neptun am Gestade opfern sollte, sandte
Apollo bei der Gelegenheit von Tenedos her durch die Fluten des Meers zwei
Drachen, damit sie seine Söhne Antiphas und Tymbräos umbrächten. Laokoon wollte
denselben Hilfe leisten, wurde aber selbst umflochten und getötet. Welches die
Phrygier deswegen geschehen zu sein glaubten, weil er einen Spieß in das
Trojanische Pferd warf.
    Servius gibt jedoch die bessere Erklärung und sagt, es sei deswegen
geschehen, weil er seine Frau aus Unentaltsamkeit im Tempel des Apollo
beschlafen habe.
    Das Ganze vom Laokoon zeigt einen Menschen, der gestraft wird und den
endlich der Arm göttlicher Gerechtigkeit erreicht hat; er sinkt in die Nacht des
Todes unter dem schrecklichen Gerichte, und um seine Lippen herum liegt noch
Erkenntnis seiner Sünden. Über dem rechten Auge und dem weggezuckten Blick aus
beiden ist der höchste Ausdruck des Schmerzens. Sein ganzer Körper zittert und
bebt und brennt schwellend unter dem folternden tötenden Gifte, das wie ein
Quell sich verbreitet.
    Seine Gesichtsbildung mit dem schönen gekräuselten Barte ist völlig
griechisch und aus dem täglichen Umgange von einem tiefschauenden Menschen
weggefühlt, und drückt einen gescheiten Mann aus, der wenig ander Gesetz als
seinen Vorteil und sein Vergnügen achtet, und der dazu den besten Stand in der
bürgerlichen Gesellschaft gewählt hat; voll Kraft und Stärke des Leibes und der
Seele. Die zwei Buben werden mit umgebracht, als Sprossen vom alten Stamme; das
ganze Geschlecht
