 Alten die Kosten nur der Materie hernahmen,
binnen so kurzer Zeit eine so große Menge von Kunstwerken aufzustellen, da
heutzutag nicht die größte Monarchie zu leisten imstand ist, was zum Beispiel in
dem kleinen Sizilien nur das Sandkorn, das kaum bemerkbare Girgent, tat. Die
Verwunderung des Xenophon, in den blühendsten Zeiten der Kunst und wo die
Griechen schon selbst von ihrer strengen Lebensart sehr abgewichen waren, über
die Schwelgerei der Perser, dass sie ihre Schlafzimmer mit Tapeten belegten,17
damit der unnachgiebige Boden nicht zu hart gegen ihre weichlichen Füße
anstrebte, kann uns einigermaßen den Schlüssel dazu verleihen. Hohe
Selbstständigkeit des Menschen, Vergnügen des Herzens und Freude des Geistes an
Wahrheit und Schönheit ging aller leeren Pracht vor; die Stärke scheute den
Kitzel erschlaffter Sinnen. Und die kleinste Republik, wo zu gemeinschaftlicher
Lust jeder so denkt und für seine Person sich abbricht, kann Berge versetzen und
eine andre Natur schaffen.
    So glänzt jedoch, zur Ehre unsrer Religion sei es gesagt, die noch das
einzige allgemeine Band ist, ohne weitere Vergleichung mit den Alten, auch jetzt
manches ärmliche Städtchen in Italien mit einem himmlischen Bilde von Raffael
oder Korreggio wie ein Stern hervor gegen ungeheure Reiche in Norden, nächtliche
Wüsten, wo keine Schönheit erscheint.
    Lysipp, der wie Apelles in seiner Art den höchsten Gipfel der Kunst
erreichte, goss alle seine Bilder aus Erz: weil der Gesang der entzückendste, wo
man die Musik, und die Poesie die vollkommenste ist, wo man die Sprache nicht
merkt; und so geht es in den bildenden Künsten mit der Arbeit und der Materie,
dem Zeichen.
    In den feierlichen Werken des Phidias und Polyklet von Gold und Elfenbein
erscheint die Kunst noch wie eine geschmückte unreife Jungfrau, in denen des
Praxiteles und Lysipp wie eine Phryne aus dem Bad hervor, alles Fremde,
Verdunkelnde abgeworfen, in lebendiger Vollkommenheit. Sie wollten die Formen,
das Wirksame nur, gleichsam in die Seelen zaubern, das Wesentliche, schier
unsichtbar dabei wie die Götter; und verbannten alle Pracht, die das Auge
abzieht und den Geist dämpft.
    So gebrauchten die großen Maler dieser Zeit nur die notwendigsten Farben;
und gleiche Bewandtnis hat es mit den Reden des Demostenes, der weit von dem
nicht selten eitlen Wortschwall des Cicero entfernt ist. Und so findet man beim
Sophokles und Euripides, die früher zur reinen Schönheit gelangten, äußerst
wenig oder nichts von dem spanischen Pomp.
    Uns ist von den Meistern, welche die Kunst auf eine höhere Stufe setzten,
namentlich nichts übrig. Das meiste sind Bilder und Kopien von Lehrlingen, die
man auf die Gipfel der Tempel und Paläste zu Rom und von dessen Landhäusern
stellte, welche mit der Zeit und in dem Getümmel des Kriegs und der Barbarei
herunterstürzten, zerschmettert
