 mit göttlicher
Wissenschaft und Kunst sich seinen Unterhalt erwerben.
    Die erhabenen Sieger über den großen König hatten recht, sich diesen
verwünschten Maßstab vom Halse zu schaffen; wäre hernach nur ihr Senat und
Areopag bei seiner Würde geblieben. Doch ich will hiervon nichts weiter reden;
Lukian hat es, mit dem treffendsten Witze in seinem Meisterstücke, dem Zeus
Tragikos, genug lächerlich gemacht.
    Der Lehrer des Weltbezwingers wies alsdenn nach der reinen Vernunft den
Künsten im Staat ihren Rang an und sagt: alle Kunst ist unedel, die Leib und
Seele der Gewandtheit beraubt, sich frei zu regen und zu bewegen; folglich jede,
wobei man sitzen oder in einer gezwungnen Stellung und Lage sein muss.
    Die bildenden Künste möchten freilich nach dieser Regel übel wegkommen,
besonders die Malerei, wenn die Arbeit dabei, wie Michelangelo behauptet,
kinder-und weibermässig ist. Jedoch auch selbst die Philosophie: wenn man so viel
lesen und schreiben müsste, als der Stagirit gelesen und geschrieben hat; und
noch mehr, um soweit Freiheit der Seele die des Leibes übersteigt, die
ehrwürdigsten Ämter. Mein Nachbar hier mit seiner dreifachen Krone wäre der
Hauptsklav; gebunden wie ein Wickelkind, der alle Welt löst!
    Aber das beste ist, man weiß sich bei diesem allen schon schadlos zu halten
und versteht dies nur auf wenige Tage und Stunden.
    Übrigens hatten die Griechen darin recht, dass derjenige sich zum Handwerker
erniedrigt, welcher seine Kunst des bloßen Gewinsts wegen eines andern
beliebigen Befehlen unterwirft. Das Werk behält hingegen auch wieder immer
seinen Rang; und eine Venus von Tizian bleibt auf alle Weise eine Venus von
Tizian und gerät nie an Wert von Erfindung und Arbeit unter die Hosen und
Stiefeln von Schustern und Schneidern. Selbst die Gesetze der hohen Ehre sollen
die Kunst nicht zu streng und gewaltsam fesseln; keiner ist gleich am Ziele!
jeder hilft sich fort nach den Umständen, bis er dahin gelangt und einigermaßen
herrscht unter wenig echtem Gefühl und einem Haufen Wahn und Mode.
    Für jetzt nur noch einige Zeilen als geringe Spuren meines glücklichen
Aufenthalts in dem wahrhaftigen Belvedere von innen und außen.
    Wehmütig muss man zwar das Häufchen Ruinen betrachten, wenn man an die
unzählbaren Schätze des Altertums denkt: an die hundert metallne Kolossen der
Insel Rhodos allein oder die manchen hundert Meisterstücke von Lysipp,
geschweige die Völkerschaften von Statuen zu Delphi und Elis, die Pracht und
Herrlichkeit von Athen, Korint, Gnid, Ephesos. Ein Grieche vor den römischen
Räubereien würde die heutigen Antiken insgesamt gleichsam ansehen wie ein
Lucull, von der Tafel aufgestanden, ein paar verschimmelte Brocken aus eines
Bettlers Sack. Und doch schlagen sie allen unsern Stolz nieder und zeigen uns
deutlicher unsre Barbarei als irgend etwas, was übriggeblieben ist.
    Man begreift nicht wohl, wo die
