. Jedoch nur der fernste Gedanke, in
einen gewissen Orden hineinzugeraten, treibt mich auf und von dannen.
    Aber ich weiß selbst nicht recht, woran ich bin, und die Heillose foppt
mich. Noch einen Hauptpunkt hab ich vergessen, Dir zu erzählen: Sie macht und
singt aus dem Stegreif vortreffliche Verse, mit einer so tonvollen silbernen
Stimme, dass sie alle Augenblick eine Muse auf dem Parnass oder eine Sirene in den
Fluten vorstellen kann. Dies bringt zwischen uns große Ergötzlichkeit hervor in
Einsamkeit und Gesellschaft; und sie sagt im Scherz, wir wären so füreinander
geschaffen, um die erste Ehe stiften zu können, wenn nicht schon ein ander Paar
den Fluch aller Unglücklichen, die an diesem Joche ziehen, auf sich geladen
hätte.
    Ach, wer weiß, wie dies enden wird! Mir ist so warm in der Brust, dass mich's
wie auf einen Punkt brennt, und dabei zuweilen bange. Eine Glut scheint mein
innerstes Leben anzugreifen und davon zu zehren; ich gehe herum wie ein Tier,
das an einem Schusse blutet. In Augenblicken fahr ich vor Schrecken zusammen wie
ein junges Rind, dem der Löwe brüllt. Ich habe meine Freiheit verloren und kann
mich nicht ermannen. Aber wenn ich meine Kräfte anspanne, kann ich noch einen
Strick zerreißen. Ist sie eine Semiramis, dass ich weit und breit vor ihr in
Süden und Norden keine Freistatt finde? Gott im Himmel, dass sie so allen Reiz
haben muss, wonach mir je gelüstete! Sie hat einen Blitz in den Augen, womit sie
alles niederschmettert.
    Doch was rase ich? Bin ich nicht glücklich, emporgehoben zu den Sternen? Der
Wahnsinn muss Dir in Deiner Lage gefallen.
    Ich sitze noch im Vatikan, weil ich hier am bequemsten zu ihr komme. Von der
Villa Medicis ist es zu weit, und ich befürchte, man möchte über mein Ausbleiben
Verdacht schöpfen und mich beobachten. Der Kardinal ist ein Schalk; o ich merke,
dass er seinen Bogen auch auf dieses Ziel spannt und seinen Pfeil dahin richtet.
    Mein Petrus ist eine junge hübsche Mohrin vom Senegal, die noch wenig
Italienisch versteht. Fiordimona hält sie so in der Zucht, dass sie bei der
geringsten Untreue befürchten muss, auf der Stelle niedergestossen zu werden.
    Die noch immer schönen und heitern Morgen bring ich im Belvedere zu,
lästerlich! bloß um mich zu zerstreuen und auf andre Gedanken zu kommen. Aber
Apollonios und Agesander verstehen ihre Kunst doch auch so, dass sie mich allemal
früh oder spät mit ihrer Schönheit und Wahrheit an sich locken und einnehmen. O
wie erhebt dies meinen Geist, dass er solche Brüder hat! Wir sind ewig,
unsterblich, bewegen uns selbst und schaffen; nichts kann uns Schranken
