 zum Manne: da es
hingegen im Ehestande wie eine Sklavin weggefangen worden wäre, nichts mehr
vermöchte nach Gesetz und Gewohnheit, und sich endlich von dem kleinen Sultan
selbst, welchem es sich aufgeopfert hätte, verachtet sehen müsste, ohn einem
andern Vortrefflichen seine Hochachtung wirklich auf eine seelenhafte Art, nicht
bloß mit Tand und Worten, erkennen geben zu dürfen.
    Ich werde dies einem Prospero nicht weiter auseinanderzusetzen brauchen, und
ferner nicht, ob das Wohl des Staats oder Ganzen dadurch gewinnt oder verliert.
Die etwanige Sünde kann man sich ja vergeben lassen! und eigentlich ist es bei
uns nicht einmal eine gegen das sechste Gebot, sonst würden diese Lebensart
fromme Regierungen nicht gestatten.
    Was die Eifersucht betrifft, so ist sie gewiss, wenigstens auf Eurer Seite,
eine unnatürliche Leidenschaft und entsteht ganz allein aus armseliger Schwäche,
Mangel oder Vorurteil; Brüder und Helden, jeder wert, ein Mann zu sein, sollten
sich eine Freude daraus machen, ein schönes Weib gemeinschaftlich zu lieben. Der
geringste Genuss wird durch Anteilnehmung mehrerer verstärkt und gewinnt dadurch
erst seinen vollen Gehalt: warum sollte es nicht so sein bei dem größten? Und
ist eine junge Schönheit nicht imstande, ihrer viele zu vergnügen? Verliert der
eine etwas, wenn der andre auch von der Quelle trinkt, woran er schon seinen
Durst gelöscht hat? In einer guten bürgerlichen Gesellschaft sollte platterdings
auch gesellschaftliche Liebe und Freundlichkeit sein; allein wir können uns von
dem Krebsschaden der Vorurteile vieler Jahrtausende noch nicht heilen. Eins und
eins ist wahrlich nicht viel mehr als einsiedlerisch und gegen die Natur; sie
behauptet deswegen auch immer ihre Rechte, wie jeder weiß, der nicht ganz blind
ist. Bei der großen Mannigfaltigkeit wär es Unsinn, jederzeit von bloßem Brot zu
leben. Jeder Mensch existiert für sich und in keinem andern; wenn dies die Natur
gewollt hätte, so wären wir zusammengewachsen. Und geht's nicht so unter allen
andern Gattungen von Tieren, Gras und Kraut und Bäumen? Jedes vereinigt sich mit
dem andern nach Gelegenheit. O ihr Armseligen, die ihr keinen Begriff von Leben
und Freiheit habt und Grossheit des Charakters! Dass dies die reine wahre Lust
ist, mit seiner ganzen Person, so wie man ist, wie ein Element göttlich einzig
unzerstörbar, lauter Gefühl und Geist, gleich einem Tropfen im Ozean durch das
Meer der Wesen zu rollen, alles Vollkommne zu genießen und von allem Vollkommnen
genossen zu werden, ohne auf demselben Flecke klebenzubleiben. Sobald etwas ganz
genossen ist, weg davon! Dies ist das allgemeinste Gesetz der Natur, wodurch sie
sich ewig lebendig und unsterblich erhält.«
    Ich erschrak und erstaunte über diesen pindarischen Schwung; so weit hatt
ich meine Philosophie noch nicht getrieben. Was lernt man nicht in Rom
