 solcher Schutz der Kunst macht Ehre, und keine Millionen, die man an
Stümper und ein buntes Gemisch von Kunstsachen verschwendet, indes der
eigentliche Mann bei seiner Bescheidenheit entweder verborgen bleibt und darbt
oder doch nur als ein gewöhnlicher Taglöhner sein Stück Arbeit nebenher durch
irgendeines Vernünftigen Empfehlung von ungefähr bekommt.
    Die Theologie ist ein geistig Bild der Religion; die vornehmsten Personen
des Alten und Neuen Testaments sind hier beisammen, jede nach ihrem Charakter.
Das Ganze stellt gleichsam die christliche Kirche vor im Werden.
    Gott der Vater schwebt obenan als Architekt mit freundlichem Ernste, dass
alles so ist, wie er's haben wollte. Christus ruht selig auf einem Wolkentron
in der Glorie der Ausführung, die Mutter voll Zärtlichkeit neben ihm.
Patriarchen, Jünger und Apostel umgeben ihn als ihren Mittelpunkt, auf Wolken
von Engeln getragen. Und unten auf dem Erdboden handeln noch die ersten
Kirchenlehrer und Christen in der Grundlage des Gebäudes.
    Die Hauptgestalten zeugen von der lebhaftesten jugendlichen Einbildungskraft
und haben wunderbare Bestimmtheit in den Umrissen. Die vier großen Kirchenlehrer
gehen mit ihrer Kraft allen andern hervor. Wenn irgend ein Sterblicher zum Maler
geboren war, so ist es gewiss Raffael. Seine Figuren sind mit einer Quelle von
Leben hervorgefühlt und voneinander unterschieden bis auf eine eigne Art von
Reiz im Ausdruck.
    Die Schule von Athen ist ebenso ein geistig Bild der Philosophen beisammen.
Pythagoras fängt an, Sokrates folgt, alsdenn kommt Plato mit dem Aristoteles und
weiter Archimed. Die Gruppe des letztern mit den vier Jünglingen ist wirklich
unaussprechlich schön und reizend, ein entzückend Bild von einem Meister mit
seinen Schülern; die Aufmerksamkeit zweier, die Verwunderung und Begeisterung
des Aufblickenden besonders göttlich hingezaubert, gerad im Momente, wo er die
Erklärung des schweren Problems findet. Gesicht mitsamt dem Haar ist von hoher
Schönheit und Wahrheit. Archimed selbst voll Schärfe des Verstandes und
Überlegung. Zeichnung und Malerei überall spricht den großen Meister von heiterem
Sinn. Der eine studiert; der andre begreift; der dritte hat's begriffen und
verwundert sich; und der vierte frohlockt und möchte jemand, der's auch lernte.
    Für ein Gymnasium von Philosophen wäre das Ganze ein wahrer Zauber und würde
jederzeit die Seele zur Empfänglichkeit stimmen. In verschiedenen Köpfen von
Raffael herrscht eine Wirklichkeit, wobei man über die frische Kraft seiner
Phantasie erstaunen muss. Sein heiliger Gregorius muss ein Teolog sein, sein
Pythagoras ein Philosoph und keine andre Menschen.
    Der Parnass ist wieder so ein geistig Bild der Poesie. Homer improvisiert,
von Begeisterung hingerissen; Apollo ist mit seinen schönen Augen verzückt in
himmlische Phantasien; Musen, Laura, Sappho und die besten Dichter, die
theatralischen ausgenommen, sind dabei zugegen.
    Die Gerechtigkeit besteht aus drei vortrefflichen allegorischen Figuren:
Klugheit, Stärke zur Rechten, Mäßigkeit zur
