, die das Kleinod der Gegend
bleibt; Sankt Paul und Tiber; Steffano rotondo, alte Wasserleitungen, Kolosseum,
Grabmal der Metella; Pietro Montorio; Porta Portese zeigen immer neue
bezaubernde Seiten mit Pinien, romantischen Villen, Rebenhügeln und den
herrlichen Fernen der Gebirge von Frascati, Tivoli und dem Sabinerlande. Wir
setzten uns nieder, und jeder drehte sich dahin und dorthin; die große Augenlust
machte uns eine Weile stumm, und alle die andern Sinnen verloschen.
    Wir fingen endlich an, von Rom zu sprechen, dem alten und dem neueren, gingen
über auf Griechenland und dessen ehemaligen und gegenwärtigen Zustand: und unsre
Reden stimmten so schön zur untergehenden Sonne an der unvollendeten
Peterskuppel des unsterblichen Michelangelo! »Ach, alles geht auf und unter,
Völker und wir, und die Werke der Menschen! Der Mensch ist ein stolzes
Geschöpf«, rief ich aus; »er hat die Oberfläche der Erde gebildet, beherrscht
den Adler und Löwen und bändigt das ungeheure Meer mit seinen Schiffen: aber er
weiß nicht, von wannen er kommt, noch wohin er fähret; erscheint, verändert sich
augenblicklich, unsicher, ob er ein eigenes Wesen ausmacht, und verschwindet. O
ihr, die ihr um uns herum schlummert, ihr Scipionen, Kamille, Lucrezien und
Kornelien, was und wo seid ihr? Könnt ihr nicht erwachen und uns belehren?«
    »Ein andermal hiervon,« gab er zur Antwort, »wenn wir mehr in Einsamkeit
sind, nicht umgeben von soviel zerstreuender Herrlichkeit.« Er hielt diese
Kuppel selbst für den kühnsten kolossalischen Gedanken eines Riesengeistes und
glaubte, dass die alten Griechen und Römer ihn bewundern würden.
    Wir kamen alsdenn wieder auf unser altes Thema, die bildende Kunst, und
deren Wesentliches, den Menschen, und die Vollkommenheit seiner Gestalt; und
unser beider Schluss war, dass der neueren hierin der Kern mangle. Man kann wohl
sagen, dass die Werke der alten griechischen Meister eine Frucht ihrer Gymnasien
waren, und dass, wo diese nicht sind, sie schwerlich kann eingeerntet werden. Der
erfahrne und geübte Sinn des ganzen Volks am Nackenden, dies ist die Hauptsache,
die uns fehlt, nebst dem der Arbeiter selbst; das schönste Nackende der Kunst
wird endlich nur durch Erinnerung geschaffen und genossen.
    Man kann die Natur nicht abschreiben; sie muss empfunden werden, in den
Verstand übergehen und von dem ganzen Menschen wieder neu geboren werden.
Alsdenn kommen allein die bedeutenden Teile und lebendigen Formen und Gestalten
heraus, die das Herz ergreifen und die Sinnen entzücken; die Regung in
vollstimmiger Einheit durch den ganzen Körper des gegenwärtigen Augenblicks
bildet kein bloßer Fleiß nicht. Je größer und erhabner der Künstler, desto edler
und eingeschränkter die Auswahl. Im Nackenden der bei uns gewöhnlich
