 sich wohl, und wer sich an leerer Spreu satt isst, mag danach
gaffen und hinlaufen: aber Wahrheit, physiognomische mit Leib und Leben wie
Wirklichkeit, ohne Miene und Gebärde Punkt für Punkt von der Natur selbst
abzukonterfeien, diese aus bloßen Erzählungen und selbst eignen Reden der
Menschen zu erfinden: geht über des Menschen Kräfte; dazu haben wir noch keine
Wissenschaft, keine Gründe und Regeln, weder Ja noch Nein. Unser Bestes sind
noch die allgemeinen Züge der Leidenschaften und andern Empfindungen, die sich
in Bewegungen besonders von außen zeigen, durch öftre Wiederholung bei
wirklichen Menschen sich in die Gestalt prägen und nach und nach Charakter
bilden; aber mit dem Allgemeinen wird man bald fertig, und es entsteht endlich
ein rasendes Einerlei.
    Kurz, ich habe von dem Menschen, außer der wirklichen Vermischung,
hauptsächlich Genuss durch seine Reden und Handlungen, durch Worte und
Bewegungen; beides kann mir die bildende Kunst nicht geben. Man stelle sich
seinen Freund auch in dem interessantesten Moment der Freundschaft auf einmal
wie zu einer Büste versteinert, unveränderlich mit seinen Mienen und Gebärden
vor! Mit Erinnerung der Worte aller vor und nach dem Moment wird das Bild gewiss
lieblich in die Seele leuchten und anfangs einen Freudenschauer erregen. Aber
wie die Erinnerung sich schwächt, wird es nach und nach immer weniger bedeuten
und bei den Gedanken an hundert andre Szenen endlich leer und sogar Spott
werden: statt dass nur ein herzlicher Brief von demselben immer neu die Seele
erquickt, sooft man ihn nötig hat wieder durchzulesen. Was soll nun so ein Bild
auf andre für Wirkung machen, die sich dabei platterdings nichts Gewisses
vorstellen können, die die Person nicht kennen, nicht gekannt haben, nichts von
ihr aus der Geschichte wissen?
    Geschieht dies bei wirklichen Menschen: was wollt Ihr mit Euren Idealen,
wovon Ihr nicht eine Form als wahr beweisen könnt? Die schönsten Bilder sind
weiter nichts als ein geistig Licht in die Seele, die sie aufheitern und
allerlei unbestimmte süße Gefühle in ihr erregen, wie ein reiner, vollkommener
Akkord auf einem wohlklingenden Instrumente. Und solche Schönheit ist das
eigentliche Wesen der bildenden Kunst, und keine Handlung, die die Poesie weit
wahrer und lebendiger vorstellt. Die Handlung kann höchstens nur dienen, der
Schönheit den besonderen Charakter zu geben; das ist, die Handlung ist des
Körpers wegen und der Körper nicht der Handlung wegen da.
    Es ist wahr, die Schönheit ist ein momental Gefühl und unterscheidet sich
dadurch von bloßer Vollkommenheit, die für den Verstand, so wie jene für den
Sinn, gehört. Wo sie aber in der Zeit folgt, wie bei Tanz und Melodie und
Gedicht, ist sie hauptsächlich für die Seele, eigentliche Seelenschönheit,
tiefe, lebendige; denn die Seele hat die Kraft,
