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sollte; doch hetzt' es mich schnell auf, und ich antwortete geradezu, wie es die
Lage der Sachen erheischte.
    »Erhaben?« versetzt ich, »ist ein höher Wesen, das in uns eindringt mit
Empfindungen, Gedanken, Gestalt, Gebärde, Handlung; und man bedarf da keiner
weitläuftigen Schreiberei von Sophisten. Wer nicht über andre ist, soll sie
nicht zu Paaren treiben und ihnen vorpredigen wollen, es sei, worin es sein mag.
Pracht lässt sich wohl damit vereinigen, aber Pracht ist nicht Erhabenheit.
Erhaben im höchsten Grade, was die Kräfte des Menschen unendlich übersteigt.
Überall füllt es die Seele mit Entzücken, Schauder und Erstaunen, dass sie die
Zeit vergisst, und versetzt den Menschen unter die Götter.«
    »Wir werden nie mit der Kritik nur einigermaßen ins reine kommen,« erwiderte
er darauf kalt und trocken, »wenn wir nicht die Grenzen jeder Kunst bestimmen
und feststellen, was sie überhaupt selbst ist. Und wir sind jetzt da, uns zu
freuen, und nicht, den Weg durch dieses Labyrinth auszuspähen. Lassen wir es
also bei dem Gesagten bewenden.«
    »Nein, nein!« riefen hier einstimmig verschiedene, »es ist noch hoch am Tage,
und die schönste Zeit dazu; setzen wir das angenehme Gespräch weiter fort.« Und
so baten sie ihn: und der so heftig gegen Michelangelo sprach, streichelte ihn
liebkosend am Barte, bis er folgendermaßen anfing:
    »Das erste und heftigste Verlangen der Seele, welches sie nie verlässt, ist
Neuheit, und dann Durchschauung, und endlich Vollkommenheit oder Zerstörung der
Dinge. Dies treibt die Unsterbliche durch alle Welten. Sie schafft und wirkt,
ihre Schwingen sind unermüdlich und verlieren ihre Kraft nie, und sie kann nicht
aufhören, sich zu bewegen und bewegt zu werden; so bescheiden gegen sich, dass
sie von sich selbst nichts weiß: aber die Iliade zeugt überall genug von
Homeren.
    Nun ist der Mensch selten in der Lage, dass seine Seele in der Wirklichkeit
hienieden nach diesen ihren Neigungen glücklich sein könnte: sie wirft sich also
aus Verzweiflung in die Kunst und treibt damit ihr Spiel. Wohl derjenigen, die
lange in den seligen Träumen hinschwebt, ohne zu erwachen!
    Alle Kunst ist Darstellung eines Ganzen für die Einbildungskraft. Sie
unterscheidet sich nach den Mitteln, die sie dazu braucht; und diese sind in
jeder Art ihre notwendigen Schranken, wohinein sich ein Weiser leicht bequemt
und worüber nur die Unklugen hinauswollen.
    Aristoteles, und wer ihm folgt, schränkt die Poesie auf Handlungen ein, als
ob die Sprache nichts anders sinnlich vorstellen könnte: aber selbst die
griechischen Dichter haben sich nie diesem Gesetz unterworfen; und Virgils
Georgica und die Natur der Dinge des
