 beisammen.
    Sie ist von innen wie ins Kreuz gebaut, doch merkt man's kaum, und sie
bleibt ein Oblongum; nachher erst hat man die Verehrung vom Kreuz ins Alberne
getrieben. Die vierzig gestreiften haushohen korintischen Säulen und die
vierzig kleinen glatten unter dem Schiffe machen, mit den über doppelt breiten
mittleren, fünf Gänge, die ihresgleichen in der Welt nicht haben. Unter den
gestreiften sind zwei Dutzend von parischem Marmor in höchster Schönheit. Das
Scheurendach und Obergebäude darüber mit den acht Fenstern macht damit einen
wunderbaren Kontrast, der aber doch einfach ist und gewissermaßen dem Untern
entspricht, und dies gibt dem Ganzen eine furchtbare Größe; die entzückendste
griechische Schönheit muss, vom Schicksal unwiderstehlich genötigt, den wilden
Barbaren dienen.
    Der Boden ist aus Marmortrümmern, worin hier und da noch Fetzen von
Inschriften sich befinden. Im Kreuzgange, wenn ich ihn so nennen darf, sind
sechs große und zwei kleine Altäre mit dreißig Porphyrsäulen, alle, zwei oder
drei etwa ausgenommen, aus einem Stück, wie die achtzig weißen Marmorsäulen; und
noch tragen da die Decke sechs ungeheure von ägyptischem Granit und vier ebenso
große von Marmor. Der herrliche freie Raum tut einem ungemein wohl zwischen den
Säulen, samt der uneingeschränkten Höhe.
    Diese Kirche bleibt die höchste Pracht der Welt, und nichts übertrifft sie.
Man mag von den gefangnen rührenden Schönheiten nicht weggehn, wie von lauter
Iphigenien in Tauris, und die ganze Seele stimmt sich daran rund und
geschmeidig.
    Man sagt, die Säulen wären vom Grabmale Hadrians, der jetzigen Engelsburg,
genommen, und es ist sehr wahrscheinlich. Die Asche des Kaisers muss dort wie in
Blumen gelegen haben; unglückliche Manen! Übrigens ist es den Römern wieder
ergangen, wie sie es den Griechen machten; und derjenige, welcher diese Kirche
baute, hat vielleicht, wie Mummius bei Fortschaffung der geplünderten Statuen
von Korint den Schiffern, ebenso den Baumeistern gedroht, sie sollten andre
Säulen machen lassen, wenn sie etwas daran verdürben oder zerbrächen.
    Mich überfiel der Mittagsbrand, wie ich wieder in der freien Sonne war, als
ob ich aus einem kühlen Bade käme; und ich verdoppelte meine Schritte nach dem
Tore, wo die zwei wilden Türme aus den mittleren Kriegszeiten und die mit Efeu
dicht behangne alte Stadtmauer neben der Pyramide mit ihrem Schatten mich
erfreulich an sich zogen. Mir schien der Weg zu weit bis auf den Spanischen
Platz, und ich begab mich unter die Pinien, Zypressen, grüne Eichen und
Maulbeerbäume, nach den frischen Weinkellern des Monte Testaccio; ließ mir's
köstlich bei einem alten Wirt, einem Sizilianer und Sohn des Ätna, schmecken,
und legte mich nach wohlgehaltnem Mahl und angenehmem Geschwätz in ein Zimmer
gen Norden zur süßen Ruh nieder, und fiel in einen
