 zerschmetterte, sogar eine mitleidige Träne weinte; und anfing, ein
Vergnügen daran zu finden, mit Knapps einäugigen und lahmen Pudel zuweilen sein
Brodt zu teilen.
    Der Taube und Stumme war sehr verhärtet; ungeachtet nie in sein Ohr die
Sprache des Verführers eindringen konnte, so hatte doch Neid und Eigennutz so
tiefe Wurzel bei ihm geschlagen, dass er der Blume den Sonnenschein, und der
Heerde die sich unter einen Baum gelagert hatte, den Schatten missgönnete - Alle
seine Mienen und Bewegungen waren widerwärtig und liefen auf Zerstörung und
Verderben hinaus. -
    Es war rührend anzusehen, wie Knapp sich oft Stunden lang mit einer eiserner
Geduld damit beschäftigen konnte, diesem Taubstummen durch die Zeichensprache
nur erst einigen schwachen Begriff von Sanftmut und Menschenliebe beizubringen,
die sein Herz bis jetzt noch gar nicht gekannt hatte.
    Dies waren denn die beiden unheilbarschelenden, an deren Herzen Knapp
gleichsam eine Art von Wunderkur verrichtet hatte - - Die Art nun, wie er mit
ihnen zu Werke gegangen ist, verdiente freilich wohl allgemein bekannt zu werden
- allein die Beschreibung davon wütde ein eigenes Buch erfordern, und doch
vielleicht unvollkommen und unverständlich bleiben - denn wer kann Knapps
Mienen, Knapps Auge, und jede seiner Bewegungen beschreiben, und den sanften
liebevollen Händedruck, womit er seine Reden begleitete? -
    Wenn in einer bessern Welt dereinst des Taubstummen Zunge gelösst sein wird,
mit welchem lauten Jubel wird er da noch seinem Erretter danken; und der
Seelenverkäufer, dessen Seele durch Knapp vom Verderben gerettet wurde, wo wird
er Worte hernehmen, um seinen Dank zu stammeln!
    Und alle die getrösteten Betrübten, die traurig und niedergeschlagen in dem
Gasthofe zum Paradiese einkehrten, und vergnügt und fröhlich wieder von dannen
gingen; wenn sie einst auftreten und sagen werden: dieser hat unsre Tränen auf
Erden abgetrocknet; - mit welchem gekrönten Haupte würde dann der Gastwirt
Knapp wohl tauschen?
    Wenn die gekrönten Häupter nun da stehen werden, beschämt und
niedergeschlagen, und Millionen um sie her, die auf Erden von ihnen mit eisernem
Szepter beherrscht, und um alle die unschuldigen natürlichen Freuden des Lebens,
um die Rechte der Menschheit gebracht; und wie eine in ihren einzelnen Teilen
unbedeutende Masse, in ein Ganzes umgeformt wurden, wie etwa Holz und Steine,
behauen und beschnitten werden, um zusammen ein Gebäude auszumachen, wodurch
jedes einzelne erst brauchbar wird.
    Weh euch dann, die ihr den Menschen ihren einzelnen ächten Wert raubtet, um
Lücken mit ihnen auszustopfen; wenn ihr es nötig fandet, Moräste mit ihnen
auszudämmen, damit dem stampfenden Ross ein Weg zum Feinde gebahnet sei - die ihr
um einer Chimäre, um eines allgemeinen abstrakten Begriffs willen, den ihr
Staatskörper nennt, den Menschen nicht mehr um sein selbst, sondern bloß um
dieser Chimäre, um dieses
