 dachte Knapp oft in einsamen Stunden, und so hatte ihn der Emeritus
denken lehren. - Nun fasste er bald seinen Entschluss, kaufte sich den Gasthof zum
Paradiese, dessen voriger Eigentümer gestorben war, und mit dem sich keiner
gern wieder befassen wollte, weil er gemeiniglich die Bettelherberge genannt
wurde - und hier stellte er sich nun freudig an seinen Posten, fing das große
Geschäft seines irrdischen Lebens an, und wartete den täglichen Zufluss der
verworfensten und verachtetesten Menschenklasse, mit der Treue und
Gewissenhaftigkeit eines vom Himmel bestellten Wächters der menschlichen
Glückseligkeit ab -
    Wo er noch einen Funken nicht ganz erstorbenen Menschengefühls entdeckte,
den suchte er wieder aufzublasen - und durch Übung brachte er es in dieser
Kunst gewiss sehr weit; ob er gleich noch kein Adept war, wie Hartknopf und der
Emeritus, und die andere Hälfte zu dem großen Worte nicht deutlich hatte
buchstabieren können - und obgleich seine Rede ja! ja! nein! nein! war, so bald
er nicht mehr Worte nötig fand - - das Wort war ihm so heilig, wie es
Hartknopfen nur immer sein konnte, ob er es gleich nicht, als die vierte Person
in der Gottheit verehrte - darum war er so sparsam mit seinen Worten, um sich
gleichsam alle Kraft und allen Nachdruck der Rede zu dem Augenblicke
aufzusparen, wo er in der Seele eines Menschen gleichsam eine neue Schöpfung
bewirken, und das Licht von der Finsternis scheiden wollte. -
    Wie es bei einem Meisterwerke, wenn es vollkommen sein soll, fast mehr
darauf ankömmt, dass der Künstler die wenigen Flecken, die etwa noch darin sind,
auszutilgen wisse, als dass er noch immer mehr neue Schönheiten hinzufügt,
wodurch vielleicht das Ganze mehr verliert, als gewinnt, so scheint derjenige
auch den sichersten Weg gewählt zu haben, dessen Bemühung in seinem Leben dahin
geht, in dem großen Meisterstücke des größten Künstlers, mehr dem entgegen zu
arbeiten, wodurch das Ganze entstellt zu werden scheint, als neue künstliche
Verzierungen zu demselben hinzuzufügen. - Denn was ist Pracht und Zierrat gegen
Reinlichkeit? - heißt doch Mundus nicht umsonst die Welt. -
Wer auf die Weise bloß negativ zu Werke geht, wird freilich nicht den Ruhm
eines Weltreformators davon tragen - aber ihn wird das selige Gefühl beglücken,
dass er mit seinen Bestrebungen in den Plan der ewigwürkenden Liebe harmonisch
einstimmt - Er fühlt es, dass jeder Stein des Anstoßes, den er weggeräumt hat,
Gewinn für das Ganze ist - und weiß es, dass ein einziger ausgetilgter Fleck aus
diesem großen Gemälde es der Vollkommenheit näher bringt, als der zierlichste
Rahmen, worinnen es eingefasst wird.
    O ihr Menschenfreunde, die ihr den Willen und die Kraft habt, außer euch zu
wirken, stellt euch doch wie Knapp, und Hartknopf
