 boshaften Nachsucht, und stellte
Hartknopfen zum Beispiel auf - und von der Großmut und der süßen Pflicht zu
verzeihen, wozu er die Beispiele größtenteils aus seinem eignen Leben hernahm.
-
    Oben auf dem Berge war nun das Feld wieder rein - Hartknopf und der Emeritus
nahmen noch eine Weile ihren Platz wieder ein - und der Nebel verzog sich,
sobald Hagebuck verschwunden war, und die Sonne glänzte wieder in aller ihrer
Klarheit.
    Dies wäre nun freilich so etwas zufälliges, das kaum bemerkt zu werden
verdiente - wenn nicht in den Seelen der Menschen eine gewisse Harmonie und
Disharmonie mit der sie umgebenden Natur statt fände - so dass bei dem einen alle
äußere Veränderungen in der Natur, in die natürlich auseinander folgenden
Veränderungen seines Ichs harmonisch eingreiffen - und hingegen bei dem andern
eine ewige Dissonanz aller äußern Umstände mit seinen innern Wünschen und
Bestrebungen statt findet. -
    Hartknopfs Seele traf immer wie eine richtig gestellte Uhr mit dem Lauf der
Sonne, mit Abend und Morgen, mit der Abwechselung der Jahrszeiten, mit Sturm und
Regen sowohl, als mit dem Säuseln des Westwindes, auf einen Punkt zusammen - und
eben so war es auch bei dem Emeritus Elias - sie gaben wie nicht zu schlaff und
nicht zu stark gespannte Saiten in dem großen Konzert der Schöpfung immer den
rechten Ton an - ihnen konnte nichts mehr unerwartet kommen, nichts den Frieden
ihrer Seelen stören - sie waren in dem großen Zusammenhange der Dinge, und in
sich selbst gesichert. -
    Als hingegen Hagebuck seine Hexameter deklamiren wollte, so zog sich auf
einmal ein Nebelstreif vor die Sonne - und es war auf einmal zwischen ihm und
der Natur eine gänzliche Dissonanz, die der arme lahme Pudel noch vermehrte, den
er auch dafür in den Staub darnieder trat - Was hätte er wohl mit der ganzen
Natur getan, wäre er in diesem Augenblick ihr Herr gewesen? - aber er fühlte
seine Ohnmacht, da Hartknopf ihn schüttelte - und knirschte in der Tiefe seiner
Seele, dass er die Obermacht des Gerechten anerkennen, und vor ihm wieder in
Staub versinken musste. -
    Wohl dem, wer sich mit der großen Natur so steht wie Hartknopf und der
Emeritus! - der darf nicht Pest, nicht Teurung, nicht Überschwemmung fürchten
- - nicht Krankheit, nicht Verwesung - er schlummert so sicher auf dem Schoss
und in dem Schoss der Erde, wie das Kind im Schoss der Mutter - -
    Der alte lahme einäugige Pudel lag nun da in süßer Ruhe - er musste in seinem
Leben oft Hunger und Kälte ausstehen, musste manchen Fußtritt erdulden - - aber
keiner war ihm doch so hart gefallen, als der von Hagebuck, welcher seinem
sinkenden Alter den Rest gab. -
 
        Eine Leichenpredigt auf einen alten lahmen und einäugigen Pudel.
Wohl dir! sagte
