 ward.
    Ja, es kam gar einmal so weit, dass über seinen Seelenzustand mit dem Herrn
von Fleischbein korrespondiert und ihm eine Stelle in dem Briefe des Herrn von
Fleischbein, die sich auf ihn bezog, gezeigt wurde. Was Wunder, dass er auf die
Weise veranlasst wurde, sich durch allerlei eingebildete Veränderungen seines
Seelenzustandes in seinen eignen Augen sowohl als in den Augen andrer bei dieser
Wichtigkeit zu erhalten, da er als ein Wesen betrachtet wurde, bei dem sich eine
ganz eigne besondere Führung Gottes offenbarte.
    Er bekam nun auch eine schwarze Schürze wie der andre Lehrbursche, und
anstatt dass ihn dieser Umstand hätte niederschlagen sollen, trug er vielmehr
vieles zu seiner Zufriedenheit bei. Er betrachtete sich nun als einen Menschen,
der schon anfing, einen gewissen Stand zu bekleiden. Die Schürze brachte ihn
gleichsam in Reihe und Glied mit andern seinesgleichen, da er vorher einzeln und
verlassen dastand - er vergaß über die Schürze eine Zeitlang seinen Hang zum
Studieren und fing an, auch an den übrigen Handwerksgebräuchen eine Art von
Gefallen zu finden, der ihn nichts eifriger wünschen ließ, als dieselben einmal
mitmachen zu können. - Er freute sich innerlich, so oft er den Gruß eines
einwandernden Gesellen hörte, der das gewöhnliche Geschenk zu fordern kam; und
keine größere Glückseligkeit konnte er sich denken, als wenn er auch einmal als
Geselle so einwandern und dann, nach Handwerksgebrauch, den Gruß mit den
vorgeschriebenen Worten hersagen würde. -
    So hängt das jugendliche Gemüt immer mehr an den Zeichen als an der Sache,
und es lässt sich von den frühen Äußerungen bei Kindern, in Ansehung der Wahl
ihres künftigen Berufes, wenig oder gar nichts schließen. - Sobald Anton lesen
gelernt hatte, fand er ein unbeschreibliches Vergnügen darin, in die Kirche zu
gehen; seine Mutter und seine Base konnten sich nicht genug darüber freuen. Was
ihn aber in die Kirche trieb, war der Triumph, den er allemal genoss, wenn er
nach dem schwarzen Brette, wo die Nummern der Gesänge angeschrieben waren,
hinsehen und etwa einem erwachsenen Menschen, der neben ihm stand, sagen konnte,
was es für eine Nummer sei: und wenn er denn ebenso und oft noch geschwinder als
die erwachsenen Leute diese Nummer in seinem Gesangbuche aufschlagen und nun
mitsingen konnte. -
    Die Zuneigung des Herrn Lobenstein gegen Anton schien jetzt immer größer zu
werden, je mehr dieser nach seiner geistlichen Führung ein Verlangen bezeigte. -
Er ließ ihn oft bis um Mitternacht an den Gesprächen mit seinen vertrautesten
Freunden teilnehmen, mit denen er sich gemeiniglich über seine und anderer
Erscheinungen zu unterhalten pflegte, welche zuweilen so schaudervoll waren, dass
Anton mit berganstehendem Haare zuhorchte. Gemeiniglich wurde erst spät zu Bett
gegangen. Und wenn der Abend mit solchen Gesprächen zugebracht
