 es in Ansehung des Schlafs, der
freilich ausfallen musste, wenn des Nachts gearbeitet wurde, welches denn
wöchentlich wenigstens einmal geschahe.
    Sonst war das Mittagessen immer auf den Schlag zwölf, das Frühstück morgens
und das Abendbrot abends um acht Uhr pünktlich da.
    Dies war es denn auch, worauf bei der Arbeit immer gerechnet wurde- so
verfloss damals Antons Leben: des Morgens von sechs Uhr an rechnete er bei seiner
Arbeit aufs Frühstück, das er immer schon in der Vorstellung schmeckte, und wenn
er es erhielt, mit dem gesundesten Appetit verzehrte, den ein Mensch nur haben
kann, ob es gleich in weiter nichts als dem Bodensatz vom Kaffee mit etwas Milch
und einem Zweipfennigbrote bestand.
    Dann ging es wieder frisch an die Arbeit, und die Hoffnung aufs Mittagessen
brachte wiederum neues Interesse in die Morgenstunden, wenn die Einförmigkeit
der Arbeit zu ermüdend wurde.
    Des Abends wurde Jahr aus, Jahr ein eine Kalteschale von starkem Biere
gegeben. Reiz genug, um die Nachmittagsarbeiten zu versüßen.
    Und dann vom Abendessen an bis zum Schlafengehen war es der Gedanke an die
bald bevorstehende sehnlichgewünschte Ruhe, der nun über das Unangenehme und
Mühsame der Arbeit wieder seinen tröstlichen Schimmer verbreitete.
    Freilich wusste man, dass den folgenden Tag der Kreislauf des Lebens so von
vorn wieder anfing. Aber auch diese zuletzt ermüdende Einförmigkeit im Leben
wurde durch die Hoffnung auf den Sonntag wieder auf eine angenehme Art
unterbrochen.
    Wenn der Reiz des Frühstücks und des Mittags-und Abendessens nicht mehr
hinlänglich war, die Lebens- und Arbeitslust zu erhalten, dann zählte man, wie
lange es noch bis auf den Sonntag war, wo man einen ganzen Tag von der Arbeit
feiern und einmal aus der dunklen Werkstatt vors Tor hinaus in das freie Feld
gehen und des Anblicks der freien offenen Natur genießen konnte.
    O, welche Reize hat der Sonntag für den Handwerksmann, die den höheren
Klassen von Menschen unbekannt ist, welche von ihren Geschäften ausruhen können,
wenn sie wollen. - Dass deiner Magd Sohn sich erfreue! - Nur der Handwerksmann
kann es ganz fühlen, was für ein großer, herrlicher, menschenfreundlicher Sinn
in diesem Gesetze liegt! -
    Wenn man nun auf einem Tag Ruhe von der Arbeit schon sechs Tage lang
rechnete, so fand man es wohl der Mühe wert, auf drei oder gar vier Feiertage
nacheinander ein Dritteil des Jahres zu rechnen.
    Wenn selbst der Gedanke an den Sonntag oft nicht mehr fähig war, den
Überdruss an dem Einförmigen zu verhindern, so wurde durch die Nähe von Ostern,
Pfingsten oder Weihnachten der Lebensreiz wieder aufgefrischt.
    Und wenn dies alles zu schwach war, so kam die süße Hoffnung an die
Vollendung der Lehrjahre, an das Gesellenwerden hinzu, welches alles andre
überstieg und eine neue große Epoche
