, um jeden
Gegenstand, der sich seiner Einbildungskraft darbietet, zu verschönern.
    So ist die Wahl des Schrecklichen ebenfalls ein schlimmes Zeichen, wenn das
vermeinte poetische Genie gleich zuerst darauf verfällt; denn freilich macht
sich hier das Poetische auch schon von selber, und die innere Leerheit und
Unfruchtbarkeit soll durch den äußern Stoff ersetzt werden.
    Dies war der Fall bei Reisern schon in Hannover auf der Schule, wo er
Meineid, Blutschande und Vatermord in einem Trauerspiele zusammenzuhäufen
suchte, das der Meineid heißen sollte, und wobei er sich dann immer die
wirkliche Aufführung des Stücks und zugleich den Effekt dachte, den es auf die
Zuschauer machen würde.
    Dies zweite Zeichen sollte ebenfalls für jeden, der sich wegen seines
poetischen Berufes sorgfältig prüft, schon abschreckend sein. Denn der wahre
Dichter und Künstler findet und hofft seine Belohnung nicht erst in dem Effekt,
den sein Werk machen wird, sondern er findet in der Arbeit selbst Vergnügen und
würde dieselbe nicht für verloren halten, wenn sie auch niemanden zu Gesicht
kommen sollte. Sein Werk zieht ihn unwillkürlich an sich, in ihm selber liegt
die Kraft zu seinen Fortschritten, und die Ehre ist nur der Sporn, der ihn
antreibt.
    Die bloße Ruhmbegier kann wohl die Begier einhauchen, ein großes Werk zu
beginnen, allein die Kraft dazu kann sie dem nie gewähren, der sie nicht schon
besaß, ehe er selbst die Ruhmbegier noch kannte.
    Noch ein drittes schlimmes Zeichen ist, wenn junge Dichter ihren Stoff sehr
gerne aus dem Entfernten und Unbekannten nehmen; wenn sie gern morgenländische
Vorstellungsarten und dergleichen bearbeiten, wo alles von den Szenen des
gewöhnlichen nächsten Lebens der Menschen ganz verschieden ist; und wo also auch
der Stoff schon von selber poetisch wird.
    Dies war denn auch der Fall bei Reisern; er ging schon lange mit einem
Gedicht über die Schöpfung schwanger, wo der Stoff nun freilich der
allerentfernteste war, den die Einbildungskraft sich denken konnte, und wo er
statt des Detail, vor dem er sich scheute, lauter große Massen vor sich fand,
deren Darstellung man denn für die eigentlich erhabene Poesie hält und wozu die
unberufenen jungen Dichter immer weit mehr Lust haben als zu dem, was dem
Menschen naheliegt; denn in dies letztere muss freilich ihr Genie die Erhabenheit
erst hereintragen, welche sie in jenem schon vor sich zu finden glauben.
    Reisers äußere Lage wurde hiebei mit jedem Tage drückender, weil die
gehoffte Unterstützung aus Hannover nicht erfolgte und seine Hausleute ihn immer
mehr mit scheelen Blicken ansahen, je mehr sie inne wurden, dass er weder Geld
besitze noch welches zu hoffen habe. Sein Frühstück und Abendbrot, was er hier
genoss, war er nicht mehr imstande zu bezahlen, und man ließ ihm deutlich merken,
dass man nicht länger willens
