 Hoffnung mehr, wozu er erwachen sollte.
    Der Gedanke von Auflösung, von gänzlichem Vergessen seiner selbst, von
Aufhören aller Erinnerung und alles Bewusstseins war ihm so süß, dass er diese
Nacht die Wohltat des Schlafes im reichsten Masse genoss - denn kein leiser Wunsch
hemmte mehr die gänzliche Abspannung aller seiner Seelenkräfte; kein Traum von
täuschender Hoffnung schwebte ihm mehr vor - alles war nun vorbei und endigte
sich in die ewigstille Nacht des Grabes.
    So wohltätig reicht die Natur den Hoffnungslosen auch schon die Schale dar,
aus der er Vergessenheit seiner Leiden trinken und alle Erinnerungen an irgend
etwas, das er wünschte oder wonach er strebte, aus der Seele verwischt werden
sollen.
    Als Reiser am andern Morgen spät aus seinem tiefen Schlafe erwachte, fühlte
er sich wunderbar an Leib und Seele gestärkt - er fühlte Kraft in sich, alles zu
unternehmen, um auch selbst unter diesen Umständen noch zum Ziel seiner Wünsche
zu gelangen.
    Es stieg ein Gedanke in ihm auf, sich hier um Unterrichtsstunden zu
bewerben; sich durch seinen eigenen Fleiß zu nähren und auf dem Theater umsonst
zu dienen. - Dieser Entschluss wurde immer lebhafter bei ihm, und er traute
seinen Kräften alles zu, sobald er nur wieder einen Schimmer von Hoffnung vor
sich sah, sein Ziel zu erreichen.
    Während dieser Gedanken zog er sich an und ging zu Ekhof, dem er seinen
Entschluss entdeckte und dessen Rat er sich ausbat, indem er versicherte, dass er
für sich selbst leben könne, ohne doch von der Art, wie er zu leben dächte, sich
etwas merken zu lassen.
    Ekhof lobte und billigte seine Standhaftigkeit und sagte ihm, er zweifle
nicht, dass dies Anerbieten werde angenommen werden. Der Bibliotekarius
Reichard, welchem Reiser eben diesen Entschluss bekannt machte, versprach ihm den
andern Tag Bescheid darauf zu geben.
    Und nun kehrte Reiser voll neuer Hoffnung wieder zu Hause - sein ganzes
Beginnen kam ihm nun selber noch ehrenvoller vor, weil er mit der Kunst zugleich
den Fleiß in nützlichen Geschäften und nährendem Erwerb verband - und alle seine
übrigen Stunden der Kunst zum Opfer brachte.
    Er aß nun diesen Mittag wieder voll Zutrauen bei seinem Wirt - und fühlte in
sich einen unwiderstehlichen Mut, der Kunst zuliebe das Härteste im Leben zu
ertragen, sich auf die notwendigsten Bedürfnisse einzuschränken und Tag und
Nacht nicht zu ruhen, um sich in der Kunst zu üben und zugleich seine
Unterrichtsstunden gehörig abzuwarten.
    Mit diesen Entschlüssen, die ihm einen recht heroischen Mut einflössten, kam
er am andern Morgen wieder zu Reichard und hörte nun sein Endurteil, dass man
sich auch auf sein Anerbieten, umsonst auf dem Theater zu dienen, nicht
einlassen könne und jetzt schlechterdings kein neues Engagement bei diesem
Theater mehr stattfinden solle. - Wenn Reiser einige Wochen eher
