, da ihm die Reise nach Braunschweig zu dem Hutmacher bevorstand. - Alle
seine Gedanken fingen allmählich an, ins Weite zu gehen - er träumte sich in eine
romanhafte Zukunft hin. -
    Und da nun der Frühling herankam, so erwachte auf einmal eine sonderbare
Begierde zum Reisen in ihm, die er bis dahin noch nie in dem Grade empfunden
hatte. -
    Bremen liegt zwölf Meilen von Hannover, und bis an den Ort, wo Reisers
Eltern wohnten, war grade die Hälfte Weges bis nach Bremen - und nun von Bremen
die Weser hinunter bis nach der See zu fahren - das war das große Projekt, womit
sich Reiser schon seit einigen Wochen trug - und seine Einbildungskraft
spiegelte ihm Wunderdinge von dieser Reise vor. -
    Der Anblick der Weser - der Schiffe - einer Handelsstadt - beschäftigten
seine Seele im Wachen und im Traume. - Er ließ sich von einem seiner Mitschüler
an dessen Bruder, welcher in Bremen ein Kaufmannsdiener war, einen Brief
mitgeben und trat nun mit einem Dukaten in der Tasche seine Reise zu Fuße an. -
    Dies war nun die erste sonderbare romanhafte Reise, welche Anton Raiser tat,
und von der Zeit fing er eigentlich an, seinen Namen mit der Tat zu führen. -
    Er hatte sich zu dieser Reise mit einer Spezialkarte von Niedersachsen -
einem tragbaren Tintenfass - und einem kleinen Buche von weißem Papier versehen,
um über seine Reise unterwegs ein ordentliches Journal führen zu können. -
    Mit jedem Schritte, den er tat, nachdem er aus den Toren von Hannover war,
wuchs gleichsam seine Erwartung und sein Mut - und er war von seiner Reise so
begeistert, dass er schon ein paar Meilen von Hannover sich auf einem Hügel an
der Landstraße setzte, sein Tintenfass, das mit einem Stachel versehen war, vor
sich in die Erde pflanzte und auf diese Weise halbliegend anfing, in seinem
Journal zu schreiben - es fuhren unten einige Kutschen vorbei, und die Leute,
denen ein schreibender Mensch auf einem Hügel an der Landstraße freilich ein
sonderbarer Anblick sein musste, lehnten sich weit aus dem Schlage, um ihn zu
betrachten - dies beschämte ihn etwas - aber er erholte sich bald wieder von der
unangenehmen Wirkung, die dies neugierige Angaffen zuerst auf ihn tat, indem er
sich in Ansehung dieser Menschen, die ihn nicht kannten, seine Existenz
hinwegdachte - er war für diese Menschen gleichsam tot - darum schloss er auch
den Aufsatz, welchen er auf dem Hügel an der Landstraße in sein Taschenbuch
schrieb, mit den Worten:
Was kümmert mich der Leute Tun,
Wenn ich im Grabe bin?
Und nun setzte er seinen Stab weiter fort, kam am Abend in der Dämmerung vor dem
Dorfe, wo seine Eltern wohnten, dicht vorbei, erkundigte sich nach
