 größeres Glück denken, als dereinst einmal
in diesem Zirkel Zutritt zu haben - denn er wagte es nicht, sich ein solches
Glück anders als im Traume vorzuspiegeln. -
    Seine Spaziergänge wurden ihm nun immer interessanter; er ging mit Ideen,
die er aus der Lektüre gesammlet hatte, hinaus und kehrte mit neuen Ideen, die
er aus der Betrachtung der Natur geschöpft hatte, wieder herein. - Auch machte
er wieder einige Versuche in der Dichtkunst, die sich aber immer um allgemeine
Begriffe herumdrehten und sich wieder zu seiner Spekulation hinneigten, die doch
immer seine Lieblingsbeschäftigung war. -
    So ging er einmal auf der Wiese, wo die hin und her zerstreuten hohen Bäume
standen, und seine Ideen stiegen auf einer Art von Stufenleiter bis zu dem
Begriff des Unendlichen empor. - Dadurch verwandelte sich seine Spekulation in
eine Art von poetischer Begeisterung, wozu sich denn die Begierde, den Beifall
seines Freundes zu erhalten, gesellte - er dachte sich ein Ideal eines Weisen,
eines Menschen, der so viele Ideen hat, als einem Sterblichen nur möglich sind -
und der dennoch immer eine Lücke in sich fühlt, die nur durch die Idee vom
Unendlichen ausgefüllt werden kann, und so brachte er dann wieder mit einigem
Zwang wegen des Ausdrucks folgendes Gedicht zuwege:
                              Die Seele des Weisen
Des Weisen Seel' in ihrem Fluge
Erhub sich über Wolken hoch;
Und folgte kühn dem innern Zuge,
Der mächtig himmelan sie zog. -
Sie strebt, das Leere auszufüllen,
Das sie in sich mit Ekel sieht,
Und forscht, um die Begier zu stillen,
Nach Wahrheit, die ihr stets entflieht.
Sie türmt Gedanken auf Gedanken,
Durchschauet kühn der Himmel Heer,
Erschwingt den Weltbau ohne Schranken,
Doch der Gedanke lässt sie leer. -
Sie wagt es nun, sich selbst zu denken,
Sich, die so oft sich selbst enflieht;
Wagt's, in ihr Sein sich zu versenken,
Und sieht, dass sie sich selbst nicht g'nügt. -
Da hub sich hoch mit Adlerschwingen
Des Weisen Seele über sich -
Zu dir, den alle Wesen singen,
Und dachte, Gott, Jehova, dich.
Und nun fühlt sie die weite Leere
In sich erfüllt mit Seligkeit,
Und schwimmt in einem Freudenmeere,
Weil sie sich ihres Gottes freut.
So wie er nun den Begriff von Gott in ein Gedicht gezwängt hatte, suchte er auch
den Begriff von der Welt in Verse zu bringen. - So lief seine ganze Dichtkunst
auf allgemeine Begriffe hinaus. - Das Detail der Natur in und außer dem Menschen
zu schildern, dahin zog ihn seine Neigung nie. - Seine Einbildungskraft
arbeitete beständig, die großen Begriffe von Welt, Gott, Leben, Dasein usw., die
er mit seinem
