« - »Das ganze Leben ist ein
Spiel«, antwortete Kakerlak. »Das Kind spielt mit Puppen oder Trommeln, der
Jüngling mit Hunden und Pferden, das Mädchen mit der Liebe, mit Stoffen und
Bändern, die Großen mit Soldaten, Sternen, Stammbäumen, Ordensbändern, die
Kleinen mit Titeln, Männer und Weiber mit Karten, Würfeln und Kegeln, der Weise
mit Gedanken und Empfindungen. Wenn alles spielt, warum sollt ich allein es
nicht tun?«
    Er wurde krank und kämpfte mit tausend Schmerzen. »Unglücklicher Kakerlak!«
riefen ihm Prinz und Prinzessin zu. »So ein verdienstvoller Mann und musst so
leiden!« - »Ich leide, aber ich bin nicht unglücklich«, war Kakerlaks Antwort,
»denn noch ist mein Herz nicht zur Fröhlichkeit stumpf.«
    »So ein weiser Mann«, riefen sie zu einer andern Zeit, »und freut sich!
Freut sich wie gemeine Sterbliche über ein Blümchen, einen Baum, einen
romantischen Felsen, über Wasserstürze, Sonnenschein und Regen! Wie erniedrigst
du deine erhabene Seele.« - »Weit gefehlt!« sprach Kakerlak lachend. »Die Freuden
der Natur sind mein Beruf; alles, was Menschen ersannen und Vergnügen nannten,
ist nur eine Krankenspeise; die gesunde Seele will nichts, was nicht von den
Händen der Natur kommt.«
    »Armer Kakerlak! Lebst so einsam und still ohne alles Vergnügen.«
    »Mein Vergnügen ist niemals um, sondern in mir; andere suchen es, ich trag
es beständig mit mir herum.«
    »Armer Mann! Der Hagel hat dir dein kleines Blumenbeet zerschlagen, deinen
einzigen Reichtum.«
    »Auch gut! So pflanz ich neue Blumen und gewinne durch meine Arbeit neue
Hoffnungen.«
    »Armer Weiser! Bald wirst du im Grabe liegen und ein Häufchen Knochen und
Staub sein.«
    »Auch gut! So quält mich die elende Maschine mit keinem Bedürfnisse mehr.«
    Da Schabernack sah, dass mit dem hartnäckigen Weisen nichts auszurichten war,
machte sie einen Versuch, ihn auf einer andern Seite anzugreifen. Der Prinz
Alfabeta reiste mit der entführten Königin Ypsilon noch immer in der Welt umher,
um die verlorne Physiognomie zu finden; die Hexe leitete diese beiden Abenteurer
zu Kakerlaks Wohnung und freute sich über den Krieg, den die Physiognomie
veranlassen würde. Sie mutmasste richtig; denn kaum erblickte der Prinz sein
Eigentum auf einem fremden Gesichte, so griff er ebenso derb zu, als da er den
unrechtmässigen Besitzer desselben aus dem Schnee zog. »Au weh!« schrie der Prinz
und fuhr zurück; das Vögelchen, worein Hexe Tausendschön gebannt war, saß auf
ihres Lieblings Gesichte, deckte es mit seinen Flügeln und pickte den Herrn
Prinzen, als er
