 Klumpen unbeseelter Marmor - denn das waren sie wieder -
sich so weit bewegen konnte. Die folgende Nacht geschah das nämliche. Hatte
Kakerlak vorher geeilt, sein Kabinett zu verkaufen, so tat er es jetzt desto
mehr; aber hatte vorher jedermann gezaudert, es ihm abzukaufen, so wollte es
jetzt niemand umsonst, da sich das Gerücht ausbreitete, dass es mit den Antiken
nicht richtig wäre. Wenn man sein schweres Geld daran wandte und sie kaufte, so
konnten sie ja in einer Nacht alle entlaufen; wer gab denn dem armen Kaufmanne
sein Geld wieder? Ein einziger, der von der Freigeisterei Profession machte und
darum keine Wunderwerke glaubte, hoffte, sie um jenes Gerüchts willen desto
wohlfeiler zu bekommen, und bat um Erlaubnis, sie zu besehn. Er besah die
himmlische Venus; Venus drehte sich um und wies ihm statt des Gesichts den
Rücken; er besah den immer jugendlichen Apoll; Apoll kehrte sich um und wies ihm
den Rücken; die nämliche Unhöflichkeit begegnete ihm bei allen, denen er ins
Gesicht sah. Dem Manne verging beinahe die Freigeisterei, so übel ward ihm
zumute; weil aber seine Gewinnsucht größer war als die Furcht, bot er eine
kleine Summe, und der Lord schloss den Handel, um nur nicht länger mit behexten
Antiken in einem Hause zu wohnen.
    Die Gemäldegalerie wurde auf ebendieselbe Art verkauft; alles zusammen
brachte nicht so viel Geld ein, als nötig war, einen Gang im Garten anzulegen;
gleichwohl war schon ein Riss dazu gemacht, ein ganzes Gut dazu bestimmt, die
Arbeit angefangen, und um nicht mit Schande aufzuhören, musste Geld aufgenommen
werden. Kakerlak verkaufte und verpfändete alles und war schon in Gedanken Herr
vom schönsten Garten im ganzen Lande.
    Nach langer Arbeit und langer Hoffnung stand endlich das Wunderwerk der
Gartenkunst fertig da.
Zwischen jungen Fichten dreht
Sich der Schlangenpfad dahin,
Wo die schönste Charitin
In dem schönsten Haine steht.
Wie labt der Duft der frischbelaubten Birken!
Wie zittert sanft, gleich der verschämten Unschuld,
Am weißen Ast das zarte lichte Blatt!
Mit jedem Wehn des lauen Lüftchens kommen
Dem süssgelabten Sinn Gerüch entgegen
Von Blumen, Kräutern, Blüten. Jeder steht,
Berauscht sich, rühmt und sucht den Garten,
Der ihn mit solcher Schwelgerei bewirtet.
Umsonst! Er tut wie edle Seelen Gutes,
Erquickt und lässt nicht wissen, wer es tat.
Welch Leben! Welche Stimmen, die hier tönen!
Kein Zweig, wo nicht ein froher Sänger hüpft!
Was in der Schöpfung lebt, scheint hier versammelt,
Den Grazien sein fröhlich Lied zu weihn.
Euch, Schmuck der Menschheit! Euch, Wohltäterinnen,
Die ihr die Sterblichen aus Barbarei
Und Wildheit zogt, dem Leben Anmut schenktet,
Die Schönheit selbst mit Zauberkraft belebtet,
