 müsse, wenn sie eine kluge,
fromme Hausfrau würde, der es nicht an Verstand und Bildung fehlte, einem
gescheuten Manne das Leben zu versüßen, und in ihren Kindern dem Staate
nützliche Bürger zu erziehen. Ich ließ mich allenthalben, wo es nur tunlich
war, von dem lieben Kinde begleiten, erklärte ihr auf eine ungelehrte Weise, was
uns Bemerkenswertes auf unsern kleinen Wanderungen aufstiess; machte ihr junges
Gemüt sehr früh auf die Wunder der Natur aufmerksam, und zögerte nicht, ihre
Seele empfänglich für die erhabenen Begriffe von dem Urheber der sie umgebenden
Schönheiten zu machen. Noch ehe sie die Worte deutlich aussprechen konnte,
lehrte ich sie so zu ihrem Schöpfer sprechen, wie sie zu mir sprach; ich flößte
ihrer jungen Seele Liebe und Vertrauen ein, und war bemüht, diese Richtung des
Herzens zu dem Geber alles Guten bei ihr zur Fertigkeit zu erheben, damit es ihr
einst kein vereinzelter Begriff sein sollte. Ich ließ sie auch, was die neuere
Pädagogik immer dagegen einwenden mag, sich früh mit einigen herzlichen Sprüchen
der Bibel bekannt machen. Freilich gab ich ihr eben nicht die Geschichte von der
keuschen Susanne und das hohe Lied zuerst in die Hände; aber die Geschichte der
Schöpfung gab ich ihr so, wie die alte ehrwürdige Urkunde sie uns gibt; denn
was sollte ich ihr sagen, wenn sie nun darauf bestand zu erfahren, wie der
schöne Wald, die Wiese, wo sie ihre Blümchen pflückte, und die Vögel, die ihr so
viel Freude ins Herz sangen, - wie dies alles entstanden sei? Sollte ich ihr nun
Büffons oder Lamettrie's System, oder Silberschlags Geogonie vorsagen? Moses
Erzählung passt so sehr für das Kindesalter des einzelnen Menschen, wie sie für
die Begriffe des Kindesalters der Welt überhaupt erfunden zu sein scheint. Wäre
meine arme unglückliche Tochter nicht nachher unter Menschen geraten, die ihre
Begriffe verwirrten und sie ihr lächerlich machten, so wäre diese meine erste
Bildung ihrer Religiosität, ihren künftigen Fortschritten in vernünftiger
Berichtigung ihrer Begriffe wahrlich kein Hindernis gewesen.
    In meinen geschäftslosen Stunden brachte ich ihr gesprächsweise
vaterländische und fremde Geschichte bei, und sie begriff bald den Zusammenhang
des Ganzen. Die Karte von Deutschland war ihr so geläufig, dass sie mir zu meiner
innigsten Freude sogleich von der Lage jedes Ortes und Landes Rechenschaft geben
konnte. Schreiben und Rechnen lehrte sie der Hofmeister. In den übrigen Stunden
beschäftigte die Mutter sie mit kleinen häuslichen, ihren Kräften angemessnen
Geschäften, und ich war sehr froh darüber; denn diesen schönen Ordnungsgeist,
diese uns Männern so gesegnete Gabe der lieben Weiber, in Kleinigkeiten zu leben
und zu weben, diese leichte Empfänglichkeit mit dem Kleinen und Geringen froh
und zufrieden zu sein, lernen Töchter nur von guten Müttern. Wenn ich ein
