 gewiss glaubte, sie werde ihn zu allen Dingen, wozu er sich ohnedies schon viel Geschicklichkeit zutraute, noch viel geschickter machen.
Die Bitte des Pastors an ihn, sich ferner nicht mit der Schule zu bemühen, setzte unsern dicken Mann noch in eine andere Verlegenheit. Seine neue Laufbahn war ihm angenehm gewesen, auch hatte er sich, wie schon bemerkt, ganz insgeheim geschmeichelt, durch dieselbe zu gefallen. Da das schöne Geschlecht immer der Polarstern war, wonach er seinen Lauf richtete: so hoffte er, durch das neue Leben, das er in die Schule bringen wollte, den Beifall der anmutsvollen und klugen Frau zu erhalten, die er für den Abdruck aller Vollkommenheiten seines künftigen eigenen lieben Weibes ansah. Er machte sie daher zur Richterin über seine neue Schulerfindung. Aber auch hier ward seine Eitelkeit beschämt. Sie zeigte ihm mit soviel Sanftmut als Nachdrucke: Arbeitsamkeit, Gehorsam und Wohlwollen könnten allein nur das Glück eines jeden Menschen, besonders aber der Bauern befestigen, und die Bildung hierzu müsse der Hauptzweck der Erziehung sein. Sie bewies ihm mit unwiderleglichen Gründen, man mache Bauernkinder unglücklich, wenn man sie Sachen lehre, wodurch sie zerstreut und aus ihrem Stande hinausgeführt würden. Sie setzte lächelnd hinzu: »Nachdem, was Sie mir von Ihrer Lebensgeschichte erzählt haben, scheint es beinahe, es sei Ihnen selbst die Lebhaftigkeit und Zerstreuung, wozu Sie die Bauernkinder anführen wollten, in manchen Vorfällen Ihres Lebens schädlich gewesen. Folgsamkeit und Stetigkeit, welche unser Schulmeister durch seinen Unterricht zu befördern sucht, würden Sie selbst auf eine viel glücklichere Bahn des Lebens geführt haben.« Sie überreichte ihm des Herrn von Rochow Katechismus der gesunden Vernunft und versicherte, als ihre Meinung, er werde aus diesem kleinen Büchlein mehr Wahrheit und gesunde Philosophie lernen, als aus allen Untersuchungen über die Verstandeswelt und Sinnenwelt und über das reine Prinzipium der Moral, womit er sie oft sehr freigebig unterhalten hatte.
Unser dicker Mann fiel nun von seiner Höhe herunter. Er sah abermal: seine vermeinte Philosophie, seine vermeinte Entäusserung möchte wohl selbst noch Prätension sein! Dies konnte er, bei reiferm Nachdenken, sich nicht ganz verbergen, so wenig, als dass er durch den Katechismus der gesunden Vernunft auf einem viel kürzern Wege ein klügerer und verständigerer Mensch hätte werden können, als durch die transzendentalen Prinzipe der Urteilskraft. Er hatte bisher vermeint, nachdem er diese wohl gefasst hatte, gewiss alle Vorfälle viel richtiger beurteilen und dadurch viel klüger handeln zu können, als diejenigen, welchen so gesegnete Prinzipe nicht gefallen wollten. Er hatte es bisher für Anmassung dieser unwissenden Klüglinge gehalten, »die Vernunft in dem, worin sie ihr höchste Ehre setzt, durch« – das elende Ding – »die Erfahrung reformieren zu wollen«.
