 junge Herzen bilden zu können. dabei wiegte er sich mit dem reizenden Gedanken, in den Armen eines edlen Weibes, welche das Weib seines Herzens werden sollte, häusliches Glück im höchsten Masse zu genießen. Diese seine künftige Gattin sollte völlig der schönen Frau Pastorin gleichen, die dem Geiste und dem Körper nach das höchste Ideal erfüllte, das er sich nunmehr von einem vollkommenen Weibe machte. Ganz verließ ihn dabei die gute Meinung von sich selbst nicht, die ihm schon so oft in seinem Leben angenehme Stunden gemacht und so oft irre geleitet hatte. Er schmeichelte sich, wenn er die Schule in diesem Dorfe durch seine Klugheit verbesserte, nicht allein in einem sehr vorteilhaften Lichte zu erscheinen, sondern auch, wenn er einige Landschulen, auf die Art wie er sich vorstellte, zu sehr großer Vollkommenheit werde gebracht haben, die Aufmerksamkeit der Staatsmänner zu erregen; und er weissagte sich in Gedanken, wo nicht eine Revolution in der Erziehungsart der Jugend in ganzen Ländern, doch eine sehr günstige Revolution seines eigenen Zustandes als nächstbevorstehend.
Durch alles dieses aufgemuntert, fing er gleich an, dem Küster in der Schularbeit beizustehen. Da zeigte sich aber bald, ohne dass er selbst es merkte, dass es ihm ganz an Talenten fehlte, die Rekahnsche Lehrmetode, die er für so leicht angesehen hatte, zweckmäßige auszuführen. Er hatte weder Geduld, sich in die Kinder zu schicken, noch die Gabe der Fasslichkeit. Sein zur andern Natur gewordenes lebhaftes Wesen führte ihn immer über den Zweck hinweg, den er erreichen wollte; und es fehlte ihm an der Beurteilungskraft, sich auf das einzuschränken, was sich für Bauernkinder schickt. Anstatt der simpeln und zweckmässigen Rekahnschen Lehrart fing er an, alle Fratzen anzuwenden, die ihm noch aus dem Philantropin zu Horbock im Sinne waren. Er lehrte die Bauernjungen, wie er war gelehrt worden, über Stöcke springen; er wollte ihre Aufmerksamkeit durch Spielwerke erregen; er wollte sie durch Ehrbegierde zu bessern Menschen ziehen und brachte in die Schule eine Meritentafel mit gelben Nägeln. Er schwatzte den Bauernkinder viel vor, von Geographie, von Naturlehre und wer weiß, wovon sonst. Kurz, er brachte in vierzehn Tagen die Schule dermaßen in Unordnung, dass der vernünftige Schulmeister, dessen Widerspruch nichts fruchtete, weil Anselm so sehr beredt war, sich sehr darüber betrübte. Aber der Prediger, der nebst andern Gaben die Gabe der Aufrichtigkeit besaß, sagte unserm dicken Manne gerade heraus: Es fehle ihm an aller Geschicklichkeit zu einem guten Landschulmeister. Dies war nun freilich sehr demütigend für einen Menschen, der die Platonische und die Leibnitzische und die Kantische Philosophie vollkommen verstand, und sich, nach reifer Einsicht der Fehler aller dieser Philosophien, ganz kürzlich eine neue erdacht hatte, wovon er
