 skeptische Philosophie, welche der menschlichen Vernunft zu wenig zutraut und die Erkenntnis der deutlichsten Wahrheiten ungewiss zu machen sucht, wird die geheime Philosophie sehr sicher gepfropft, so wie parasitische Pflanzen auf kränklichen Bäumen am besten fortkommen. Hierzu kommt noch, dass die Lebensart der großen Welt französisch ist. Die geheime Philosophie ist aber zu uns von den Franzosen gekommen. Dies beweisen selbst denjenigen, die nur das Öffentliche der geheimen Philosophie kennen, die vielen Bücher voll geheimer Weisheit, womit uns die Franzosen beglückt haben, ihr Mystère de la Croix, die große teosophisch-philosophische Karte ihres getauften Juden Düchanteau, der gleich Christus vierzig Tage zu fasten versprach und dadurch beinahe einen berühmten deutschen Seher irre gemacht hätte. Das beweisen noch viel andere Dinge mehr, als da sind die drei verlorenen Kapitel der Bibel ihres Grafen Kagliostro, die geheime Lehre ihrer Chanoines du St. Sepulcre auprès du Temple de Jerusalem, ihr Ordre de Chevaliers bienfaisans de la Cité sainte und die tiefe Weisheit der Bücher Diadème des Sages, Des erreurs et de la verité und des Tableau des rapports entre Dieu et l'homme und sogar ihr Buch Tot und die Tours de passe passe ihres Sieur d'Eteilla. Die Franzosen genießen das Glück, zu den Großen der Erde und auch zu reichen und vornehmen Leuten vorzüglich Zutritt zu haben. Es gibt daher immer betriebsame geheime französische Philosophen, die in Deutschland in der Stille herumreisen, um diese Philosophie bei denen, welche sie dazu geneigt und würdig finden, fortzupflanzen. Einer davon war der französische Herr, der kürzlich des Herrn von Reiteim Schloss verlassen hatte. Er war in der Gegend an manchen Höfen herumgereiset und fing nun an, den Samen seiner geheimen Lehre in den Schlössern reicher Edelleute auszustreuen, wo er nur einen gutgedüngten Boden fand. So kam er auch zu Herrn von Reiteim und verschafte sich bei ihm vielen Eingang. Er zeigte in den kräftigsten unverständlichsten Worten und Schriften alle geheimen Wirkungen und Eigenschaften der Natur in einem Zusammenhange, der dem bisherigen Skeptiker, dem keine menschliche Philosophie genug getan hatte, außerordentlich einleuchtend schien, weil er diesen Zusammenhang glaubte. Sobald der französische Pythagoras so viel gewonnen hatte, fand er nun offenes Feld für das Anpreisen der geheimen Künste, die er besaß, um alle Kräfte der Natur zu regieren und zu beliebigen Zwecken anzuwenden. Die geringste Kunst war, die unedlen Metalle in edle zu verwandeln. Diese machte auf Herrn von Reiteim auch nur den geringsten Eindruck; denn sein Vater und sein Oheim hatten schon dafür gesorgt, dass er nicht wohl mehr ausgeben konnte als er einnahm, zumal da er nicht hoch spielte und nur wenig baute. Er gehörte zu genügsamen Philosophen, welche das Geld, das dem Weisen so verächtliche Ding, geringschätzen, so
