 die Besorgnis
ungegründet ist, als wenn das Kriechen ihre Füße schief machte.«
    »Sie werden zuweilen wohl etwas krumm, aber das Manteltragen gibt ihnen
eine noch ungleich schiefere Richtung. Und dann werden ihre Füße von selbst
gerade, wenn sie gehen lernen.«
    »Auch das haben ihre Kinder wohl von selbst gelernt. Aber sind sie nicht oft
dabei gefallen?«
    »Sie fielen anfangs sehr häufig, aber ohne Schaden zu nehmen; denn ihr
Körper, sich selbst überlassen, hatte seine kleinen Glieder so gut brauchen
lernen, dass sie sich immer zu helfen wussten, und diese Gelenkigkeit ihrer
Glieder soll ihnen auch, hoffe ich, noch in der Folge gute Dienste tun. Ich
hüte mich auch sehr, sie zu bedauern, und erschrocken zu tun, wenn sie fallen;
denn dieses macht, dass sie weinen, nur selten verursacht es der Schmerz. Sollten
sie einmal in Tränen ausbrechen, so muss man sie zuerst zerstreuen, und ihnen,
wenn es notwendig ist, Hilfe leisten, aber ja keine Ängstlichkeit, kein
Bedauern, oder gar Unwillen auf den Gegenstand, über welchen sie fielen, merken
lassen. Man muss aber ein Kind so wenig als möglich an fremde Hilfe gewöhnen;
denn es kommt ihnen in der Folge ihres Lebens sehr zu Statten, wenn sie darin
geübt sind, sich stets selbst zu helfen. - Aber verzeihen Sie, dass ich Ihnen so
viel von meinem Lieblingsgegenstande vorgeplaudert habe.«
    »Ich kann Ihnen nicht genug danken, dass Sie meine Begriffe über diese
Materie so sehr aufgeklärt haben. Ich werde von nun an mit gedoppelter Sorgfalt
über die Erziehung meines Gustavs wachen, und sollte es mir einmal an Geduld und
Standhaftigkeit gebrechen, so komme ich zu Ihnen, meine Teure.«
    Diese liebe Frau antwortete mir mit vieler Güte, und trug mir ihre
Freundschaft an, die mir unendlich viel wert ist. Wir kehrten unter den
angenehmsten Gesprächen nebst unsern Kindern nach Hause zurück, und ich konnte
nicht unterlassen, Ihnen, liebe Sophie, meinen neu erworbnen Schatz
mitzuteilen. Gott! wie ehrwürdig ist doch eine Mutter, die ihre Kinder gut
erzieht! Ach diese kleinen unschuldigen Geschöpfe sind es gewiss wohl wert, dass
man alles aufopfert, um für ihre Bildung zu sorgen. Menschen für die Ewigkeit zu
erziehen, welch ein Gedanke! Gott! stärke mein Herz, an meinem Kinde dein großes
Beispiel gegen uns nachzuahmen. Entferne alles aus meiner Seele, was seine gute
Erziehung hindern könnte, und reinige und bessere mein Herz, damit ich mehr durch
Beispiel, als durch Lehren, es zum Guten anführe!
    Es ist ausgemacht, dass jede gute Handlung ihre schönen Folgen mit sich
führt, aber gewiss wird keine derselben eine so schöne Quelle des Glücks
