 trennen, wenn sie heiraten. Dieses geschieht nun zwar
häufig; denn da ich immer junge Mädchen in meine Dienste nehme, die ich
unterweise, so drängen die Alten unsers Dorfs ihre Söhne, ihnen diese Mädchen zu
Schwiegertöchtern zu geben. Die jungen Kerls bewerben sich auch von selbst
lieber um sie, als um andre, weil sie gute arbeitsame Haushälterinnen von ihnen
erwarten.«
    - Es ist eine Lust, zu sehen, wie flink und reinlich die Mädchen der
Pastorinn sind -
    »Es ist zwar etwas lästig für mich, so oft neue Mädchen zu haben, die ich
denn immer erst an meine Art gewöhnen muss; aber ich nehme diese Mühe gern über
mich, und die Mädchen erleichtern sie mir auch durch ihre Willfährigkeit und
Aufmerksamkeit; denn jede freut sich, wenn ich sie in Dienste verlange.
Gewöhnlich aber wähle ich die Unwissendsten dazu, um unser Dorf, so viel
möglich, mit lauter guten Hausfrauen zu versehen.«
    Diese bescheidne Frau sagte mir nicht einmal alles. Sie gibt jedem dieser
Mädchen eine artige Aussteuer mit, und teilt überhaupt große Wohltaten im
Dorfe aus. Die jungen Bäuerinnen, die sich verheiraten wollen, lässt sie zu sich
kommen, und unterrichtet sie in den neuen Pflichten, die im Ehestand ihrer
warten. Der Pfarrer tut ein Gleiches mit den jungen Burschen. Alle Einwohner
verehren auch diese trefflichen Menschen fast bis zur Anbetung, und würden
willig ihr Leben für sie lassen. Das ganze Dorf ist in einem blühenden Zustande;
den Armen hat man Arbeit und Unterhalt zu verschaffen gewusst, und ein
vorsätzlicher Müßiggänger wird auf das härteste bestraft.
    Ich bin von den tiefen Eindrücken, die diese ehrwürdige Frau auf mich
gemacht hat, ganz durchdrungen. Gott, was ist doch eine solche Person, die mit
vernünftig geleiteten Empfindungen dem menschlichen Übel abzuhelfen sucht,
gegen eine empfindsame Seele, wie es deren so viele gibt, die zwar aufs
innigste von dem Elend ihrer Nebenmenschen gerührt werden, und deren Herz allen
Eindrücken des Guten offen steht, die es aber bloß beim Empfinden bewenden
lassen, ohne durch tätige Hilfe dem Nächsten beizustehen!
    Welches Verdienst ist größer: derjenigen ihres, die bloß innige schöne
Empfindungen hat, ohne denselben gemäß zu handeln, oder das Verdienst der
andern, die mit minder starkem Gefühl gute und nützliche Handlungen verrichtet?
Welches Empfinden ist das wahre? Welcher Lohn wird in der Ewigkeit größer sein?
    Ich erstaune selbst über meine ernstaften Betrachtungen. Sonst waren mir
solche gar nicht eigen. Aber das Bild dieser Matrone, die mit jedem Tage neue
Früchte für die Ewigkeit einsammelt, hat meine Seele durchdrungen, und ich bitte
Gott, dass er auch mich fähig mache, meinen Nebenmenschen wirklich Gutes zu tun,
damit auch ich einem so freudigen Alter entgegen
