 wohin Sie wollen,
oder Sie schwören, uns treu zu bleiben. Es sollte mir leid tun, wenn das erste
geschehen müsste - einen andern Ausweg erlaubt uns die Strenge unsers Gesetzes
nicht - denn Sie scheinen mir ein beherzter Mann von gutem Kopf zu sein. Beides
ist notwendig zu unserm Metier, und darum fiel meine Wahl gleich auf Sie. Nun,
wie stehts? Bedenken Sie sich kurz.«
    Ich fühlte jetzt die ganze Strafe meines Verbrechens, die mir so schnell
nachfolgte, da sie mich in die Hände dieser Nichtswürdigen fallen ließ. Ich, der
ich mir immer so viel auf meinen Mut zu gute tat, zitterte vor Schrecken.
Verstümmelt zu werden, welch ein grausames Schicksal! Und doch, Räuber! Dieb!
das schallte fürchterlich in meinen Ohren. Aber es blieb mir ja immer noch die
Hoffnung zu entwischen; ich war ja doch ein verlorner Mensch. Entlaufen, vom
Vater enterbt, mein Name vielleicht als infam an die Ecken der Stadt geschlagen!
Wie lächerlich, in meiner Lage von Gefühl der Ehre reden zu wollen! Was ist es
denn weiter? Eine Stufe niedriger als jetzt. Andre Entwürfe des Glücks sind doch
für mich verloren. Der junge Mensch blickte mit einem äußerst rührenden Wesen
auf mich. Alles das zusammen, und ich sagte: Ja. Nun erschallten Glückwünsche
und Freudengeschrei von allen Seiten. Es wurde noch eine Schüssel auf den Mittag
bestellt, und alle fassten den Vorsatz tapfer auf meine Gesundheit zu saufen. Nun
war ich ein Genosse von Leuten, die der Auswurf der Menschheit sind. Bloß der
Hauptmann Brand hatte noch einen kleinen Anstrich von ehemaliger guter Erziehung
übrig behalten. Um meinen Kummer zu zerstreuen, erzählte er mir seine
Geschichte. Ich will sie auch Dir mitteilen, aber heute ist es mir unmöglich.
Ich muss schließen.
                                  Fortsetzung.
In der Gesellschaft meiner Bundsgenossen verabscheue ich mich selbst. In der
Einsamkeit foltern mich auch unaufhörliche Vorwürfe. Um meinen Schmerz zu
verjagen, will ich des Hauptmanns Erzählung wiederholen:
    »Eine sogenannte feine Erziehung habe ich freilich gehabt, und mein Vater
dachte wohl nicht, dass ich einmal der Vorsteher einer so honorablen Gesellschaft
werden würde; denn als ich ihm von der Wehmutter überreicht wurde, verdoppelte
er bei der Nachricht von meiner Knabenschaft das Geschenk, welches er ihr machen
wollte. Und von der Zeit an war ich sein Augapfel und meiner Mutter
Herzblättchen. Beide erzogen mich mit der größten Sorgfalt; das heißt: sie
hatten alle mögliche Aufmerksamkeit, mir in allen Dingen meinen freien Willen zu
lassen; denn meiner Mutter Hauptgrundsatz war: dass man die Kinder nie ärgern
müsse, weil der Ärger der Gesundheit schade. Ihre Zärtlichkeit hatte denn auch
so vortreffliche Wirkung auf mich, dass ich noch vor dem
