 Charakter und die Philosophie des Demokritus welche
                   wir den Leser nicht zu überschlagen bitten
Wir wissen nicht, wie Demokritus es angefangen, um sich die neugierigen Weiber
vom Halse zu schaffen. Genug, dass uns diese Beispiele begreiflich machen, wie
ein bloßer zufälliger Einfall Gelegenheit habe geben können, den unschuldigen
Naturforscher in den Ruf zu bringen, als ob er Abderite genug gewesen wäre, alle
die Märchen, die er seinen albernen Landesleuten aufheftete, selbst zu glauben.
Diejenigen, die ihm dies zum Vorwurf nachgesagt haben, berufen sich auf seine
Schriften. Aber schon lange vor den Zeiten des Vitruvius und Plinius wurden eine
Menge unechter Büchlein mit vielbedeutenden Titeln unter seinem Namen
herumgetragen. Man weiß, wie gewöhnlich diese Art von Betrug den müßigen
Gräculis der späteren Zeiten war. Die Namen Hermes Trismegistus, Zoroaster,
Orpheus, Pythagoras, Demokritus, waren ehrwürdig genug, um die armseligsten
Geburten schaler Köpfe verkäuflich zu machen; insonderheit nachdem die
alexandrische Philosophenschule die Magie in eine Art von allgemeiner Achtung,
und die Gelehrten in den Geschmack gebracht hatte, sich bei den Ungelehrten das
Ansehen zu geben, als ob sie gewaltige Wundermänner wären, die den Schlüssel zur
Geisterwelt gefunden hätten, und für die nun in der ganzen Natur nichts geheimes
sei. Die Abderiten hatten den Demokritus in den Ruf der Zauberei gebracht, weil
sie nicht begreifen konnten, wie man, ohne ein Hexenmeister zu sein, so viel
wissen könne, als sie - nicht wussten; und spätere Betrüger fabricierten
Zauberbücher in seinem Namen, um sich jenen Ruf bei den Dummköpfen ihrer Zeit zu
Nutzen zu machen.
    Überhaupt waren die Griechen große Liebhaber davon, mit ihren Philosophen
den Narren zu treiben. Die Atenienser lachten herzlich, als ihnen der witzige
Possenreisser Aristophanes weis machte, Sokrates halte die Wolken für Göttinnen,
messe aus, wie viele Flohfüsse hoch ein Floh springen könne34, lasse sich, wenn
er meditieren wolle, in einem Korbe aufhängen, damit die anziehende Kraft der
Erde seine Gedanken nicht einsauge, u.s.f und es dünkte sie überaus kurzweilig,
den Mann, der ihnen immer die Wahrheit und also oft unangenehme Dinge sagte,
wenigstens auf dem Schauplatze platte Pedantereien sagen zu hören. Und wie musste
sich nicht Diogenes (der unter den Nachahmern des Sokrates noch am meisten die
Miene seines Originals hatte,) von diesem Volke, das so gerne lachte, misshandeln
lassen, Sogar der begeisterte Plato und der tiefsinnige Aristoteles blieben
nicht von Anklagen frei, wodurch man sie zu dem großen Haufen der alltäglichen
Menschen herabzusetzen suchte. Was Wunder also, dass es dem Manne nicht besser
erging, der so verwegen war, mitten unter Abderiten Verstand zu haben?
    Demokritus lachte zuweilen, wie wir alle, und würde vielleicht, wenn er zu
Korint,
