 ganzen Erdboden haben wollen, ist
entweder ein Land, wo die Leute keinen Magen und keinen Unterleib haben, oder es
muss schlechterdings das Land sein, das uns Teleklides schildert, aus dessen
Amphiktyonen ich (wie die schöne Salabanda sehr wohl bemerkt hat) meine
Beschreibung genommen habe. Vollkommene Gleichheit, vollkommene Zufriedenheit
mit dem Gegenwärtigen, immerwährende Eintracht - kurz, die saturnischen Zeiten,
wo man keine Könige, keine Priester, keine Soldaten, keine Ratsherren, keine
Moralisten, keine Schneider, keine Köche, keine Ärzte und keine Scharfrichter
braucht, sind nur in dem Lande möglich, wo einem die Rebhühner gebraten in den
Mund fliegen, oder (welches ungefähr eben so viel sagen will) wo man keine
Bedürfnisse hat. Dies ist, wie mich deucht, so klar, dass es demjenigen, dem es
dunkel ist, durch alles Licht im Feuerhimmel nicht klärer gemacht werden könnte.
Gleichwohl ärgern sich eure Moralisten darüber, dass die Welt so ist wie sie ist;
und wenn der ehrliche Philosoph, der die Ursachen weiß, warum sie nicht anders
sein kann, den Ärger dieser Herren lächerlich findet: so begegnen sie ihm, als
ob er ein Feind der Götter und der Menschen wäre; welches zwar an sich selbst
noch lächerlicher ist, aber zuweilen da, wo die milzsüchtigen Herren den Meister
spielen, einen ziemlich tragischen Ausgang nimmt.
    »Aber was wollen Sie denn, dass die Moralisten tun sollen?«
    Die Natur erst ein wenig kennen lernen, eh sie sich einfallen lassen, es
besser zu wissen als sie; verträglich und duldsam gegen die Torheiten und
Unarten der Menschen sein, welche die ihrigen dulden müssen; durch Beispiele
bessern, statt durch frostiges Gewäsche zu ermüden, oder durch Schmähreden zu
erbittern; keine Wirkungen fodern, wovon die Ursachen noch nicht da sind, und
nicht verlangen, dass wir die Spitze eines Berges erreicht haben sollen, ehe wir
hinauf gestiegen sind.
    »So unsinnig wird doch niemand sein?« - sagte der Abderiten einer.
    So unsinnig sind neun Zehnteile der Gesetzgeber, Projectmacher, Schulmeister
und Weltverbesserer auf dem ganzen Erdenrund alle Tage! - sagte Demokritus.
    Die zeitverkürzende Gesellschaft, welche die Laune des Naturforschers
unerträglich zu finden anfing, begab sich nun wieder nach Hause; und dahlte
unterwegs, beim Glanz des Abendsterns und einer schönen Dämmerung, von Sphinxen,
Einhörnern, Gymnosophisten und Schlaraffenländern; und so viel Mannichfaltigkeit
auch unter allen den Albernheiten, welche gesagt wurden, herrschte, so stimmten
doch alle darin überein: dass Demokritus ein wunderlicher, einbildischer,
überkluger, tadelsüchtiger, wiewohl bei allem dem ganz kurzweiliger Sonderling
sei.
    »Sein Wein ist das Beste, was man bei ihm findet«, sagte der Ratsherr.
    Gütiger Anubis! dachte Demokritus, da
