
sich selbst, dieser unerschütterlichen Überzeugung, welche gewisse Leute
versichert, dass alles, was sie denken, sagen, träumen und im Schlaf reden, wahr,
witzig, weise, und in Marmor gegraben zu werden würdig sei - einer Überzeugung,
die den echten Sohn der großen Göttin, wie ein Muttermal, kennbar und zum
glücklichsten aller Menschen macht. Kurz, ich fühlte meinen Zustand, und er lag
schwer auf mir; ich schüttelte mich vergebens; und es war, wie gesagt, so weit
mit mir gekommen, dass ich durch ein ziemlich unbequemes kleines Fenster in die
Welt hinaus guckte, ohne zu wissen was ich sah, oder etwas zu sehen, das des
Wissens wert gewesen wäre. Auf einmal war mir, als höre ich eine Stimme - ob es
Wahrheit oder Täuschung war, will ich nicht entscheiden - die mir zurief: setze
dich und schreibe die Geschichte der Abderiten! Und plötzlich ward es Licht in
meinem Kopfe. Ja, ja, dacht ich, die Abderiten! Was kann natürlicher Sein? Die
Geschichte der Abderiten will ich schreiben! Wie war es doch möglich, dass mir
ein so natürlicher Einfall nicht schon längst gekommen ist? Und also setzt ich
mich und schrieb, und schlug nach, und compilierte, und ordnete zusammen, und
schrieb wieder, und es war eine Lust zu sehen, wie mir das Werk von den Händen
ging.
    Indem ich nun so im besten Schreiben war, (fährt unser Verfasser in seiner
treuherzigen Beichte fort,) kam mir in einem Anstoß von Kapriccio, oder Laune,
oder wie man's sonst nennen will, der Einfall, meiner Phantasie den Zügel
schießen zu lassen, und die Sachen so weit zu treiben, als sie gehen könnten. Es
betrifft ja nur die Abderiten, dacht ich, und an den Abderiten kann man sich
nicht versündigen: sie sind ja doch am Ende weiter nichts als ein Pack Narren;
die Albernheiten, die ihnen die Geschichte zur Last legt, sind groß genug, um
das Ungereimteste, was du ihnen andichten kannst, zu rechtfertigen. Ich gesteh
es also unverhohlen - und wenn's unrecht war, so verzeihe mirs der Himmel! - ich
strengte alle Stränge meiner Erfindungskraft bis zum Reissen an, um die Abderiten
so närrisch denken, reden und sich betragen zu lassen, als es nur möglich wäre.
Es ist ja schon über zweitausend Jahre, dass sie allesamt tot und begraben sind,
sagte ich zu mir selbst; es kann weder ihnen noch ihrer Nachkommenschaft
schaden; denn auch von dieser ist schon lange kein Gebein mehr übrig. Zu diesem
allem kam noch eine andre Vorstellung, die mich durch einen gewissen Schein von
Gutherzigkeit einnahm. Je närrischer ich sie mache,
