 gewesen, bloß durch eine geschickte Wendung in den größten Nutzen
desselben verwandelt würde. Da es aber nicht mehr als billig sei, sie, die
Priester, um des gemeinen Bestens willen nicht zu beschädigen: so hielte die
Akademie ohnmassgeblich davor, dass ihnen nicht nur die Unverletzlichkeit des
uralten Froschgrabens am Latonentempel von neuem zu garantieren, sondern auch
die Verordnung zu machen wäre: dass von dem Augenblick an, da die abderitischen
Froschkeulen für eine erlaubte Essware erklärt sein würden, von jedem Schock
derselben eine Abgabe von 2 oder 3 Obolen an den Latonentempel bezahlt werden
müsste. Eine Abgabe, die, nach einem sehr mäßigen Überschlag, in kurzer Zeit eine
Summe von dreißig bis vierzig tausend Drachmen abwerfen, und also den
Latonentempel wegen aller andern kleinen Vorteile die durch die neue Einrichtung
aufhörten, reichlich schadlos halten würde.
    Endlich beschloss der Philosoph Korax sein Gutachten mit diesen merkwürdigen
Worten: »Die Akademie glaube durch diesen eben so notgedrungnen als
gemeinnützigen Vorschlag ihrer Schuldigkeit genug getan zu haben. Sie sei nun
wegen des Erfolgs ganz ruhig, indem sie dabei nicht mehr betroffen sei, als alle
übrigen Bürger von Abdera. Aber da sie überzeugt sei, dass nur ganz erklärte
Batrachosebisten fähig sein könnten, sich einer so unumgänglichen Reformation
entgegen zu setzen: so hoffte sie, die preiswürdigen Väter des Vaterlandes
würden nicht zugeben, dass eine so lächerliche Secte die Oberhand gewinnen, und
vor den Augen aller Griechen und Barbaren den abderitischen Namen mit einem
Schandflecken beschmitzen sollte, den keine Zeit wieder ausbeizen würde.«
    Es ist schwer, von den Absichten eines Menschen aus seinen Handlungen zu
urteilen, und hart, schlimme Absichten zu argwohnen, bloß weil eine Handlung
eben so leicht aus einem bösen als guten Beweggrunde hergeflossen sein konnte;
aber einen jeden, dessen Vorstellungsart nicht die unsrige ist, bloß darum für
einen schlimmen Mann zu halten, ist dumm. Wiewohl wir also nicht mit Gewissheit
sagen können, wie rein die Absichten des Philosophen Korax bei Abfassung dieses
Gutachtens gewesen sein mochten: so können wir doch nicht umhin zu glauben, dass
der Priester Stilbon in seiner Leidenschaft zu weit gegangen, da er besagten
Korax dieses Gutachtens wegen für einen offenbaren Feind der Götter und der
Menschen erklärte, und ihn einer augenscheinlichen Absicht alle Religion über
den Haufen zu werfen beschuldigte. So überzeugt auch immer der Hohepriester
Stilbon von seinem System war: so ist doch, bei der großen und unwillkürlichen
Verschiedenheit der Vorstellungsarten unter den armen Sterblichen, nicht
unmöglich, dass Korax von der Wahrheit seiner Meinungen eben so aufrichtig
überzeugt war; dass er die abderitischen Frösche im Innersten seines Herzens für
nichts mehr als bloße natürliche Frösche hielt, und durch seinen Vorschlag
seinem Vaterlande wirklich einen wichtigen Dienst zu leisten glaubte. Indessen
bescheidet sich Schreiber dieses ganz gerne,
