 als den Mannspersonen kämen. Ich habe seine langweilige
Erklärung vergessen, aber so viel weiß ich noch, dass seine Geister so gescheit
sind und sich lieben und heiraten wie unsereins. Er bildet sich ein, dass er sie
zitieren kann, auch die Seelen der Lebendigen: ich nahm mir die Freiheit, mir
die Deinige zu einem Tête-à-tête bei ihm zu bestellen: aber entweder hat der
Mann seine Kunst verlernt, oder Deine Seele ist zu fest an den Körper gewachsen;
denn seitdem ich hier bin, muss ich alle Abende Deinen Namen auf Papier
schreiben, verbrennen und ihm die Asche überliefern, und er zitiert, dass ihm der
Angstschweiß am Kopfe hereinströmt: aber die liebe Seele will nicht kommen. Er
ist so unverschämt zudringlich, dass man sich seiner gottlosen Künste gar nicht
erwehren kann, wenn man sich zum Spaß einmal mit ihm einlässt: so geht es mir mit
Deiner armen Seele, sosehr ich ihn auch bitte, er soll sie in Ruhe lassen.
    Der Oberste, der sich sonst um die Geisterangelegenheiten sehr gern
bekümmert, aber seine Arbeit doch höher achtet, unterbrach den Altgesellen
damals sehr bald in seiner Erklärung und befahl ihm kraft seiner Meistergewalt,
nicht müßig zu gehen, sondern erst zu arbeiten und dann zu schwatzen. Indem der
Geisterseher die Arbeit aus dem Tischkasten hervorsuchte, traf auch der
Junggeselle ein, Madam Dormer: sie warf eilfertig ihre Saloppe ab, und gleich
über die Arbeit! - Es ist doch wahrhaftig das verschmjetzteste Weib auf der Erde:
weil sie weiß, dass man sich durch solchen Eifer bei dem Obersten überaus beliebt
machen kann, tut sie so geschäftig und behandelt alles mit einer solchen
Wichtigkeit, als wenn von der Spielerei dieser drei Leute die Wohlfahrt des
ganzen deutschen Reichs abhinge. - »Nunmehr«, fing der Oberste sehr gravitätisch
an, was er gewöhnlich gar nicht ist, und wandte sich zu mir, »nunmehr will ich
Ihnen die Geheimnisse unsrer Kunst offenbaren. Sie sehen hier in meinen Händen
einen gräulichen Stein, Dendrit genannt: in diesen Stein hat die Natur alles
gezeichnet, was auf der Welt ist, Menschen, Tiere, Bäume, Häuser, Landschaften,
Städte, Armeen, ganze Feldzüge und Schlachten.« - »Aber«, nahm der Goldmacher
das Wort, »wie die Natur überhaupt alle ihre Schätze tief verborgen hat, damit
sie des Menschen Ingenium und Fleiß hervorsuche und herausziehe, wie par Exempel
das Gold, welches in allen, auch den verächtlichsten Materien enthalten ist; wir
essen es im Brote, wir tragen es in unsern Kleidern auf dem Leibe« (wobei er auf
seinen kahlen, blauen Rock wies), »wir treten es auf unsern schmutzigen Gassen
mit Füßen, die Magd kehrt
