 zu liefern, wie ich bereits in meinem letzten Briefe Verabredung mit
Ihnen genommen habe! Ich trage die Unkosten und werde sie Ihnen erstatten,
sobald Sie mir die Rechnung davon übersenden, im Falle dass der Gräfin Vetter,
der Oberste, sich nicht dazu erbietet: fodert er Ihnen nicht freiwillig die
Rechnung ab, so erinnern Sie ihn auch nicht von fern daran; und fragt er bloß,
wer die Reisekosten bezahlen wird, so nennen Sie die Gräfin. Der guten Dame
würde die Erstattung freilich schwer sein, und bewahre mich der Himmel, sie ihr
zuzumuten! Doch bitte ich inständigst, es niemanden zu entdecken, dass ich die
Kosten übernommen habe: ich möchte auch nicht gern scheinen, dem Hause, das mich
ernährt und befördert hat, eine Verbindlichkeit auflegen zu wollen, die es nicht
ohne geheime Kränkung öffentlich auf sich ruhen lassen würde. Auch suche ich
niemanden auf der Welt durch die kleine Aufopferung zu verbinden, sondern bloß
mein Gewissen zu beruhigen: ich will mir den Rest meines Lebens durch das
Bewusstsein versüßen, dass ich die Unschuld von der Verführung gerettet, der
geschändeten Tugend zur öffentlichen Ehre wieder verholfen - denn leider! kann
ich ihre innere nicht wieder herstellen! -, ein betrognes, guterziges Mädchen
vom Elende befreit, vor künftigen Vergehungen verwahrt, in ihren rechtmäßigen
Stand wieder eingesetzt und einem Hause, das ohnehin Kummer genug drückt, die
Ruhe wieder verschafft habe, zu deren Verbitterung ich unschuldigerweise durch
Schwäche, unzeitige Nachsicht, verblendetes Wohlwollen, Kurzsichtigkeit und übel
angewandtes Vertrauen so vieles beitrug. Alle Fehler, die ich dabei beging, hat
mir meine Betrübnis darüber und der Undank und nagende Spott des Bösewichts
genug vergolten, den ich aus einfältiger Blindheit so lange für ein Muster der
Rechtschaffenheit und Ehrliebe hielt. Ich kenne ihn nicht mehr und verachte ihn
so sehr, dass ich nicht einmal an seiner Bestrafung arbeiten mag. Wenn Sie die
Baronesse seinen Händen entrissen haben, so ist der Gräfin und mein Zweck
erreicht: bekümmern Sie sich weiter nicht um ihn, sondern überlassen Sie ihn dem
Elende, den Qualen des Gewissens und der Verachtung der Menschen! Ich habe der
Gräfin die Schandtat verhehlt, die der Ruchlose an der Baronesse verübt hat: wir
wollen sie auch der Welt verhehlen, soviel uns möglich ist, um dem künftigen
Glücke der guten Ulrike nicht zu schaden: das Geheimnis ihrer Niederkunft soll
mit mir ins Grab gehen, und ich bitte Sie bei Ihrer ewigen Wohlfahrt, tun Sie ein
Gleiches und beschwören Sie alle, die darum wissen, unserm Beispiele
nachzuahmen! Der Verbrecher wird seinen Lohn durch sich selbst finden, so wahr
ich einen Gott glaube; und von diesem erwarten Sie den Dank für Ihre Bemühungen
zu Ulrikens Rettung, wenn Ihnen der meinige nicht genug
