 weder dreimal, noch zweimal, noch einmal
aufbieten, so werden Sie nicht getraut.
    Herrmann. Himmel! so sind die Gesetze noch grausamer als die grausamsten
Menschen!
    Der Pfarr. Ich habe die Gesetze nicht gemacht: wer die Gesetze gemacht hat,
machte sie zum Besten vieler tausend Menschen; und was für viele tausend
Menschen gut ist, kann um eines einzigen willen nicht aufgehoben werden.
    Herrmann. O zum Besten der Menschen, dass man mit den Zähnen knirschen
möchte! Priesterliche Gewinnsucht erfand sie, die Begierde, jede Handlung des
menschlichen Lebens zinsbar zu machen: Herrschsucht und Geiz brüteten sie aus,
und Aberglauben und Einfalt nahmen sie an.
    Der Pfarr. Das kann in der Kirchenhistorie wohl wahr sein: ich bekümmere
mich nur um das Gegenwärtige und lasse das Vergangne vergangen sein.
    Herrmann. Ich mag Ihre eitele Zeremonie gar nicht: unsre Herzen sind
zusammengeknüpft und werden es unzertrennlich bis in den Tod sein: - was vermag
die Hand eines Priesters dabei? - Wenn zween Willen sich vereinigen, dann geht
die Ehe an: wenn zween Willen sich trennen, dann hört sie auf. - Ich Tor! was
will ich mich durch einen leeren Gebrauch an meinem Glücke hindern lassen? - Wir
sind getraut: es bedarf Ihrer Hand nicht dazu. Hat uns das Unglück nicht genug
geängstigt, soll es auch noch ein eitler Gebrauch tun?
    Der Pfarr. Ja, in der Welt haben wir Angst. - Sie spielen ja wohl ein
Lomberchen?
    Herrmann. Ulrike ist von dieser Minute an meine Frau: sie soll bei und mit
mir leben, sobald ich eine Bauerhütte gekauft habe, die uns vor Wind und Wetter
schützt, und einen Acker, der uns nährt.
    Der Pfarr. Sie wollen sich ankaufen? - Bleiben Sie bei uns! werden Sie unser
Gerichtsherr! Das Gut wird subhastriert werden. Es war jammerschade um unsern
vorigen Herrn, dass er starb: wir werden so leicht keinen wieder bekommen, der so
gut Lomber spielte. Ich versichre Sie, er machte Bete oder Kodille, und wenn der
andre alle Hände voll Trumpf hatte. Es sollte mir eine Herzensfreude sein, wenn
Sie unser Gerichtsherr würden.
    Herrmann. Nein, so hoch steigen meine Wünsche nicht. Ein Bauer, ein
wirklicher leibhafter Bauer will ich werden, ein mittelmässiges Gütchen kaufen,
das mich und Ulriken durch unserer Hände Arbeit erhält.
    Der Pfarr. Sie ein Bauer? - Ein Bauer ist des lieben Gottes Esel, dem er
alle Säcke aufladet, die die übrigen Menschen nicht tragen wollen - geplagt vom
Morgen bis zum Abend, von der Wiege bis ins Grab: er muss geben für alle, und
jedermann will durch seine Arbeit oder seinen Schaden reich werden: verachtet,
bevorteilt,
