 schien, wenn er
nach einem Gegenstande strebte, in dessen rechtskräftigem Besitze, nach seiner
Meinung, der Herr von Troppau sich schon befand: doch jetzt, da ihn Lairesse von
dem Gegenteil seiner Mutmaßung überzeugte, ward seine Begierde desto
entflammter, besonders weil man ihm dabei die Lorbeeren der ersten Eroberung
versprach. Vignali und Lairesse erboten sich, unterdessen für ihn wirksam zu
sein, bis eine günstige Gelegenheit herannahte, wo er den Kranz eines so schönen
Siegs verdienen könnte.
    In der ersten Abendgesellschaft, wo er nach seiner Reise erschien, sprach er
von Ulriken mit so vieler Entzückung, als nur ein feuriger Liebhaber von einem
Mädchen sprechen kann: Herrmann schlich während seiner berauschten Lobrede an
den Wänden herum, biss sich an den Lippen, nagte an den Nägeln, zog jede
Viertelstunde das Schnupftuch aus der Tasche, nahm Tobak, rückte an der Weste
oder Halsbinde, ob sie gleich beide vortrefflich saßen - machte mit einem Worte
alle Handgriffe eines Schauspielers, der nicht weiß, was er mit seiner Person
anfangen soll. Endlich ging der Sklavonier so weit, dass er gegen Lairesse und
Vignali, die ihm verstellterweise widersprachen, trotzig behauptete, er brauche
nur die Karten aufzulegen, so gewiss sei ihm sein Spiel mit Ulriken. Das war in
Herrmanns Ohren eine Blasphemie wider sie: Zurückhaltung wurde ihm nur zu
schwer, er fasste den Grafen von hinten zu bei dem Arme und drehte ihn hastig
herum. - »Legen Sie Ihre Karten auf!« rief er mit bitterem Lachen, »Sie sollen
doch bete werden.«
    Der Graf antwortete mit philosophischer Kälte: »Ich habe hundert
hinreichende Gründe, warum ich meine Eroberung als gemacht betrachte: aber ich
will Ihnen nur einen angeben, der stärker ist als alle Gründe in der Welt: -
Weil ich es bin!«
    Herrmann. Der Grund beweist weiter nichts, als dass Sie sehr viele Einbildung
haben.
    Der Graf. Ich räsoniere so: Wer viel Einbildung hat, muss Ursache dazu haben,
und wer Ursache dazu hat, muss viel Einbildung haben; und da meine Einbildungen
groß sind, müssen auch meine Ursachen groß sein: folglich muss ich zu meinem
Zweck gelangen.
    Herrmann. Und Sie werden nicht zu Ihrem Zweck gelangen, sage ich. Wissen Sie
warum? - Weil ich mein Leben daran wage, um Sie zu hindern.
    Der Graf. Ich räsoniere so: Ihr Leben ist weniger wert als das Mädchen, und
das Mädchen mehr als Ihr Leben: folglich können Sie mich nicht daran hindern.
Das Mädchen ist ihre bare hundert Dukaten unter Brüdern wert, und für Ihr Leben
gebe ich nicht einen halben Gulden: folglich können Sie mich nicht daran
hindern. Madam Vignali würde in meinem Vaterlande nicht mehr als neunzig Dukaten
gelten
