 Woldemar unwillig. - »Sachte,
sachte! gab Henriette; ich habe Ihr Wort, und darauf fordre ich Ihre Hand; her,
lieber Woldemar, her Ihre Hand - für: Allwina Klarenau!« - Ey! sagte Woldemar,
das ist ja abermahl etwas neues! - »Etwas Neues? Nichts weniger! Ich hatte Ihnen
meine Freundin bestimmt, noch ehe Sie bei uns waren. Diese Idee ist mir von
Tage zu Tage lieber geworden, und ich hätte sie Ihnen längst entdeckt, wenn
nicht die Gewalt, welche Allwinens Vater dem meinigen über das Schicksal des
guten Kindes gelassen, der Erfüllung meines Wunsches bisher im Wege gewesen
wäre. Auf der ganzen Welt ist so kein Mädchen für Sie wie unsere Klarenau?« -
Allwina ist ein liebes herrliches Geschöpf, sagte Woldemar, aber um des Himmels
willen, warum soll ich denn durchaus eine Frau haben? - Henriette zuckte
mitleidig die Achseln: »Wunderlicher Mensch! - um desto glücklicher zu sein;
auch um mich desto glücklicher zu machen.« - Sie heiraten dann wohl auch? -
»Wie mögen Sie nur so albern tun, Woldemar? Mit mir, mit Ihrer Henriette
dergleichen - ja Komplimente? Als wenn nicht der Unterschied in die Augen fiele?
Mich verlören Sie beinah' ganz, wenn ich meinen Stand änderte; Sie, im
Gegenteil, bringen mich um nichts, wenn Allwina Ihre Gattin wird; vielmehr
gewinn ich unendlich: muss ich Ihnen etwa das der Länge nach auseinandersetzen? -
Hiezu kommt noch, dass ich nach meines Vaters Tode, bei Euch am liebsten meine
Wohnung aufschlüge. -«
    Woldemar umarmte seine Freundin. - Aber, sagte er, ich fühle keine
Leidenschaft für Allwina; sie - keine für mich, und ich kann nicht begreifen...
»Halten Sie inne, Woldemar, sagte Henriette; Sie würden mich zum erstenmahl in
Ihrem Leben ungeduldig machen. - Haben Sie nicht no comma? gesagt, dass Sie nie
aus Leidenschaft heiraten möchten? - Haben Sie nicht no comma? gesagt, Sie
würden nie von einem Mädchen Leidenschaft verlangen; man dürfe diese von keinem
Mädchen erwarten, das ein ächtes Kind der Natur sei; denn Mutter Natur habe das
Weib nur zu Einer Leidenschaft angewiesen - zur Leidenschaft für die Kinder;
Mutterherz sei sein wahres, eigentliches Wesen. Wo ein Weib - sagten Sie - die
Leidenschaft der Liebe gleich uns Männern zu empfinden scheint, da wird fast
immer etwas unlauteres, verkehrtes zum Grunde liegen. Nicht ein herrschender,
unmittelbarer Trieb, sondern Leichtsinn, Eitelkeit, schnödes Gelüst reißt es
hin. Und darum - fügten Sie hinzu - ist ein ungetreues, buhlerisches Weib mit
Recht für das niederträchtigste aller Wesen zu halten«... Also
