 es einige Leute, die dafür halten, je größer und
vermögender einer sei, desto mehr sei er verbunden, ein guter Mann zu sein: ich
aber möchte wohl hören, womit sie das beweisen wollten? Denn ich, der ich das
Glück habe, kein König zu sein, war, so lange ich Rechts und Links unterscheiden
konnte, steif und vest der Meinung, es sei, was diesen Punkt betrifft, keiner von
allen, die aus Noah's Kosten herstammen, vor dem andern von Gott mit einem
vorzüglichen Berufe begnadigt; und hier ist mein Beweis, von dem ich wohl einmal
wenn Dirs nicht zu viel Mühe macht, zu erfahren wünschte, ob er Deiner
Ottomanischen Majestät einleuchtet. Der Sultan, sag ich, ist Mensch, ehe er
Sultan, und der Bettler ist Mensch, ehe er Bettler ist. Mensch ist also hier die
Hauptsache; Despot oder Bettler sind zufällige Nebenumstände. Da nun gut sein,
so sehr er kann und vermag, des Menschen Pflicht ist, (cf. Bibel, Koran, und
Vernunft,) und der Bettler so wohl vom Weibe geboren ist, als der Sultan: so
fließt daraus der Schluss, dass einer wie der andre all sein bisschen Kraft
anstrengen müsse, so gut als möglich zu sein. W.Z.E.W. Alles, was Deinesgleichen
voraus haben, ist, dass jede Minute ihres Lebens ihnen Gelegenheit gibt, zu
beweisen, dass sie gut sind; da im Gegenteil der Bettler oft sein ganzes Leben
hindurch vergebens auf eine unzweideutige Gelegenheit warten kann, dazutun,
dass Adel der Seele vielfältig mit Dürftigkeit gepaaret sei, und ächte Größe und
Güte des Herzens gar wohl unter einer Hülle von Lumpen wohnen könne. Aber das
ist auch vielleicht das Einzige, was Deinesgleichen neidenswert macht - (wenn
ihr bei allen eueren Lasten und Sorgen, und der schweren Rechenschaft, die ihr
vor dem Throne des ewigen Monarchen zu geben habt, überall neidenswert seid -)
und steht der Wahrheit nicht im Wege, dass der Mann in Lumpen obgezeigtermassen
einerlei großen Beruf mit Euren Majestäten, Durchlauchten, Hochgebohrnen, u.s.w.
habe. - Bist Du also, wie ich sagte, überzeugt, dass ich, unbekümmert, ob Du und
Deine Untertanen beschnitten oder unbeschnitten sind, in Dir den Gesalbten
Gottes ehre, den Mann, den die Vorsehung mit der Gewalt rüstete, Millionen
meiner Brüder glücklich oder elend zu machen: so wüsst ich nicht, was wir mit
einander zu teilen haben könnten. Indessen, was dickgedachter Marktflecken im
Lande zu Schwaben mit mir und meiner unbedeutenden Autorschaft zu teilen haben
könnte, wüsst ich eben so wenig, und doch erhoben einige Leutchen in demselben
den Kamm, und kräheten
