 einsammelte, machte er in seinem Hofraume einen pyramidenförmigen Schober, so wie die Landleute auch bei uns zu tun pflegen, und so oft er etwas Heu hinzutat, trat er es so fest, dass der Regen nicht leicht hinein dringen konnte. Aber bei dieser Arbeit musst' er erst Lehrgeld bezahlen.
Er hatte nämlich nicht die Vorsichtigkeit beobachtet, das Heu erst durchaus trocken werden zu lassen. Wenn dieses nicht geschieht, und das Heu gleichwohl festgetreten wird, so fängt es an, sich zu erhizzen, zu dampfen und endlich wohl gar Feuer zu fangen. Davon hatte er in seiner Jugend nie gehört, weil er sich um die Landwirtschaft niemals bekümmerte. In seinem jezigen Zustande aber lernte er, wie gut es sei, auf alles zu achten, und so viele Kenntnisse einzusammeln, als man nur kann, wenn man auch gleich nicht zum voraus sieht, wozu sie uns einmal nüzen werden.
Er wunderte sich nicht wenig, da er auf einmal seinen Heuschober dampfen sah; noch mehr aber erstaunte er, da er die Hand hineinstekte und fühlte, dass das inwendige Heu brennend heiß sei. Er konnte nicht umhin, zu glauben, dass Feuer darin sei, ungeachtet ihm die Art und Weise, wie es hineingekommen sein sollte, schlechterdings unbegreiflich war.
Er machte sich also geschwind darüber her, das Heu wieder abzupacken. Aber zu seiner Verwunderung fand er nirgends Feuer, wohl aber dass das Heu überal sehr erhitzt und feucht sei. Er geriet also endlich von selbst auf die wahre Vermutung, dass die bloße Feuchtigkeit die Ursache der Erhizung sei, ungeachtet er nicht begreifen konnte, wie das zuginge.
Johannes. Wie mag denn das auch wohl eigentlich zugehen, dass die bloße Nässe etwas erhizen kann?
Vater. Lieber Johannes, solcher Erscheinungen, als diese, gibt es tausend in der Natur, und dem menschlichen Verstande, der nun schon seit vielen Jahrhunderten darüber nachgedacht hat, ist es bei einer Menge derselben gelungen, ihre eigentlichen Ursachen deutlich einzusehen. Diese Ursachen werden uns in einer Wissenschaft gelehrt, die ihr noch nicht einmal den Nahmen nach kent; sie heißt – die Naturlehre oder mit einem andern Nahmen die Phisik. Darin wird auch von diesem merkwürdigen Umstande, wie von vielen andern höchst sonderbaren natürlichen Dingen Rechenschaft gegeben; und wenn ihr fortfahrt in der Erlernung derjenigen Sachen, die wir jetzt treiben, den gehörigen Fleiß anzuwenden: so wollen wir euch auch diese Wissenschaft lehren, die euch unaussprechlich viel Vergnügen machen wird. Vorjezt würde es überflüssig sein, davon zu reden, weil ihr das, was ich sagte, doch noch nicht verstehen würdet.
Robinson troknete also sein Heu von neuem, und dann machte er abermals einen Schober, der Wind und Wetter trozen konnte.
