 will, so muss es ja wohl recht sein, ihn erst umzubringen, damit er's wohl müsse bleiben lassen.
Vater. Allerdings, lieben Kinder, ist eine solche Notwehr nach menschlichen und götlichen Gesetzen recht, aber wohl gemerkt! – nur in dem einzigen Fal, wenn ganz und gar kein anderes Mittel zu unserer eigenen Rettung übrig ist. Haben wir hingegen Gelegenheit, entweder zu entfliehen, oder von Andern beschüzt zu werden, oder unsern Verfolger außer Stand zu setzen, uns zu schaden: so ist ein Angrif auf sein Leben ein wirklicher Mord, und wird auch von der Obrigkeit, als ein solcher, bestraft.
Vergesst nicht, lieben Kinder, Gott zu danken, dass wir in einem Lande leben, in welchem die Obrigkeit so gute Veranstaltungen zu unserer Sicherheit getroffen hat, dass unter hundert tausend Menschen höchst selten ein Einziger in die traurige Notwendigkeit geraten kann, von dem Rechte der Notwehr Gebrauch machen zu müssen.
Genug für heute!
Sechzehnter Abend.
Nachdem die Gesellschaft am folgenden Abend sich wieder versamlet hatte, und das Gewöhnliche »ah! von Robinson! von Robinson!« von Mund zu Mund geflogen war, fuhr der Vater in seiner merkwürdigen Erzählung folgendermaßen fort:
Das Schicksal unsers Robinsons, lieben Kinder, das uns allen so sehr am Herzen liegt, ist noch nicht entschieden. Er erstieg, wie wir gehört haben, mit seinem geretteten Wilden den Berg hinter seiner Wohnung; und da haben wir ihn gestern verlassen, ungewiss, was aus beiden weiter werden würde? Seine Lage war noch immer sehr gefährlich: denn was konnte man wahrscheinlicher vermuten, als dass die Wilden, so bald sie ihre unmenschliche Mahlzeit würden vollendet haben, ihren ausgebliebenen beiden Kameraden nachgehen und den entronnenen Gefangenen aufsuchen würden? Und taten sie das, wie sehr stand dann nicht zu besorgen, dass sie Robinsons Wohnung entdecken, sie mit Gewalt erstürmen und ihn mit seinem Schuzgenossen zugleich abschlachten würden?
Robinson schauderte bei diesem Gedanken, indem er auf dem Gipfel des Berges hinter einem Baume stand, und den abscheulichen Freudensbezeugungen und Tänzen der wilden Unmenschen von ferne zusah. Er überlegte in der Geschwindigkeit, was wohl am besten sei, zu fliehen? oder sich in seine Burg zu begeben? Ein Gedanke an Gott, den Beschüzer der Unschuld, gab ihm Kraft und Mut das Leztere zu erwählen. Er kroch also, um nicht gesehen zu werden, hinter niedrigem Gesträuche bis zu seiner Strikleiter fort und befahl seinem Gefährten durch Zeichen ein Gleiches zu tun. Und so stiegen beide hinab.
Hier machte der Wilde große Augen, da er die bequeme und ordentliche Einrichtung der Wohnung seines Erretters sah, weil er so was schönes in seinem ganzen Leben noch nicht gesehen hatte. Es war ihm ungefähr
