
tun.« -
    Wieder: »Was soll ich zu dem Vorschlage einer andern Einkleidung meines
Charakters sagen? Wie sauer, mein Freund! o wie sauer, sollte mir dieses werden!
Denn, wenn ich mein Herz vor den Augen Gottes entfalte, so danke ich ihm, dass er
mir es so gab! Meine süßeste Glückseligkeit ist, den gegenwärtigen Augenblick
meines Lebens an den Gedanken des letzten zu rücken, und dann mit kindlicher
Liebe und Freude, Gott, Tod und Ewigkeit mir vorzustellen. Die Wirkungen dieses
Gefühls sind schon lange mit jeder Triebfeder meiner Handlungen und meines
Denkens verbunden. Vor dem Auge des Himmels, darf ich mit Vertrauen, und vor den
Menschen soll ich mit so viel Behutsamkeit erscheinen? Warum? Sagen Sie mir,
warum?«
    Hierüber hatte Herr Fr** einen großen sehr schönen Brief, über hohe, und
herablassende liebreiche Tugend geschrieben, den er nicht bekannt gemacht haben
will. Und hier sagte sie: »Es ist unmöglich, mein Freund! dass ich Ihnen den Dank
meines Herzens, für die edle Bemühung Ihres Geistes ausdrücke. Ihre
Unterscheidung der hohen und herablassenden menschenfreundlichen Tugend ist
schön; aber beinahe zu fein, und etwas zu schmeichelhaft für mich. Aber Ihr
Endzweck ist meine Ruhe, und die Befriedigung derer, womit ich lebe. - Ich
ergebe mich, mein Freund, und rufe hier eine meiner alten Lieblings-Ideen
zurück: dass eigentlich nichts Tugend genennt werden kann, als was wir zum Besten
unserer Nebenmenschen, mit Aufopferung unsers Selbst tun!«
    In einem sagt sie, nach einer Krankheit: »Sie haben meine Geduld, meine
Gelassenheit in Schmerzen gelobt, mein Freund! Ich werde alle Leiden, die ich
von der Hand der Natur aufgelegt bekomme, beständig mit der anbetenden
Unterwerfung tragen, die ich dem Urheber der Natur schuldig bin. Ich verdiene
nicht weniger, als andere, zu leiden! und mein väterlicher Schöpfer wird mir
nicht mehr als andern aufladen.« -
    In den letztern liegt viel, aber unbenennter Kummer. Sie sagt unter andern:
»Es ist mir leichter, mein Freund! viel leichter, eine drückende Last auf meinen
Schultern zu behalten, als sie, auch durch die gerechteste Anklage, auf einen
andern zu wälzen. Und der, dessen Hand meine Glückseligkeit so grausam
verletzte; kennt meinen Jammer wohl, aber er macht es nicht, wie schon oft
großmütige Feinde taten, die alle ihre Sorgen und Kräfte zur Heilung der von
ihnen geschlagenen Wunde darboten.« -
    In einem folgenden steht: Sie wolle ihr eigenes Ich für ihre übrigen Tage
vor der ganzen Welt verbergen, und allein durch ihren Geist mit den Menschen
fortleben. Für das Glück ihres Herzens nichts mehr fordern, nichts mehr
erwarten, aber
