 aber die
Geschichte alter und neuer Zeiten; haben je Alltagsmenschen was besonders für
das große Gute getan? taten es nicht immer Leute, die Kräfte und Mut genug
hatten, aus dem gewohnten Landgang heraus, und voran zu treten? - Ich möchte
wissen, warum es so wenig Menschen gibt, die das Gute so uneigennüzig verehren,
wie die Türken unsern Heiland. - Er ist nicht für uns gestorben, sagen sie aber
er war ein Mann voll Göttlicher Tugend; und nach unserm Propheten verdient er
den ersten Rang. - Aber so reden wir nicht, wenn sich hervorleuchtendes
Verdienst vor unsere Augen stellt. Tadelsucht erregt es bei Männern, wie die
Reitze der vorzüglichen Schönheit der Nachbarin in kleinen Weiberseelen nur als
Stacheln würken, die Unmut und Widerwillen hervor bringen. Und so sprechen oft
Väter, vor ihren Buben, von Leuten, für welche sie ihnen Verehrung und Nacheifer
einflößen sollten. - Ihre Guden, Wolling und sein Weib sind Leute wie ich sie
liebe; was sollten sie aber in einer Stadt machen? was? - mögen sie immer dort
bei ihren Eichen und zerfallnem Schloss bleiben, und möge der Wald so verwachsen,
dass man nur mühsam zu ihnen kommen kann! denn allein unter dem Schatten, wo
keines Menschen und keines Tiers Fuß hinkommt, dort wächst die Ceder, die
Eiche, und die hohe Buche, mit der schwanken Erle auf; stark, mächtig, die
Wolken berührend, und Stürmen trotzend!« --
    Sie kennen ihn, den Eiferer, wenn er so die Gestalt dessen, was sein sollte
und sein könnte, vor sich hat; wie er da überfliesst und zehn andre Sachen noch
mit sich hin nimmt. - Mich freute er, und ich trieb ihn weiter, da ich ihn nach
der kleinen Erkältung fragte, die zwischen ihm und seinen Freunde W** entstanden
ist. - Er antwortete hitzig: »Was Erkältung! ich liebte ihn nie mehr, als jetzt.
Mein halbes Leben gäb ich, wenn er den verdrießlichen Handel mit seinen
Verwandten ansähe, wie ich! -- Ich hasste Alle, die seinen Wert nicht erkannten.
- Alle, die seine Güte missbrauchten und mir den Weg zu seinem Herzen
verschlossen.« -
    »Ja; aber man sagt, dass er sich über Beleidigung von Ihnen beklage.« --
    »Beleidigung! -- Ist es Beleidigung, wenn ich denke und erwarte, dass jemand
in einer wichtigen Gelegenheit seines Lebens alles tun wird, was seinen edlen,
großen und gerechten Gesinnungen gemäß ist? was ich überzeugt bin, dass er von
mir in den nämlichen Fall gefordert hätte?« --
    Rosaliens edler Freund F*** fiel ein: »Ach, eh die Gelegenheit zu handeln da
war, wird
