 sicherm Unterhalt anzuweisen. Denken Sie, wie
ich gerührt wurde, als ich mich von einem Vater von acht Kindern, die er nicht
reich, nicht glücklich machen kann, mit vollem Herzen und überfliessenden Augen
für die Wohltat segnen hörte, die ich einem andern Vater von vier Kindern
erwies. Das gute Zeugnis, so er meinen Wollingen gab und die Aufmunterungen -
und Erleichterung zum vollkommenen Anbau des neuen Guts, das er alles mit so
vielem Eifer betrieb; seine Frau, die sich auch herzlich ergözte, dass den
Wollingen Gutes geschah. - - Dies belohnte mich schon weit für meine entworfenen
Ausgaben und Mühe. - Ach, Rosalia! wer gute Menschen liebt und sucht, findet sie
auch. Nur müssen wir nicht mit einem Modell umhergehen, das wir uns von
Verdiensten des Verstands und Herzens gemacht haben, und so daran kleben, dass
wir alles, so nicht in dieses Modell passt, als mangelhaft verwerfen; sondern uns
angewöhnen und zur Pflicht der Vernunft und Billigkeit machen, zu denken, dass es
mit den moralischen Formen der Menschen eben so, wie mit der Bildung ihres
Körpers ist. - Millionenfache Abänderung der äußerlichen Gestalt, die zwischen
dem Urbilde der Schönheit und Höflichkeit stehen, sind doch immer
Menschengestalten, und wir fodern niemals, dass alle Gesichter von unsern
Freunden und Bekannten sich gleichen sollen. Aber moralische Gesinnungen fodern
wir immer nach unserm Modell - und Sie haben auch in jedem Menschen abgeänderte
Grade und in tausend und aber tausenden den nämlichen innern Wert und bringen
auch Gutes hervor, nur nicht auf die nämliche Weise. Da sollte aber der edle,
große Menschenkenner, mit liebreicher, herablassender Weisheit, eintreten und
zeigen, dass der Blick seines Geists richtig und hell genug ist, um alle mögliche
Verschiedenheiten zu bemerken und zu beurteilen; - und dass in dem weiten Umfang
seines Herzens jeder Grad des Guten gefühlt - und geschätzt wird, ohne sich von
der Obermacht seines Geistes zu dem despotischen Sinn leiten zu lässen, Alles
nach seinem Willen zu haben. - Denken Sie nach, Rosalia, was für eine Menge
kleine Ideen- und Gesinnungstyrannen in der menschlichen Gesellschaft leben; wie
oft vielleicht schon wir es selbst waren! -- Ich gewiss, zu der Zeit, da ich
meine Vaterstadt bewohnte und Anfoderungen an meine Bekante machte, die sie mir
nicht aus Bösartigkeit versagten, sondern weil sie die Sachen anders ansahen,
als ich. - Seitdem bin ich aber so billig geworden, mir zu sagen: wenn hundert
Menschen in einem Kreis, um einen Gegenstand der Betrachtung herum gestellt
würden, so sieht freilich ein jeder die nämliche Sache, aber nur von der Seite,
die seinem Standpunkt gegenüber ist. - Die andern links und rechts neben ihm,
sehen schon ein
