 meiner Seele erbauet hatte; aber die Grundlage des Glücks meines Herzens ging
zugleich damit verloren. - In dem Kreise meines Standes war ich misskannt und
verwundet. Ich wollte nichts von beiden mehr sehen: - Das Gebiet der Kenntnisse
und Empfindungen war mir zuwider geworden, weil meine Rechnung auf Ruhm, Liebe
und Freundschaft, die sie mir erwerben sollten, auf nichts herunter gekommen
war. Ich musste mich aber beschäftigen, mich aus, mir selbst hinausführen, und
einen Gegenstand haben, dem ich meine Liebe geben konnte. Der bittere Verlust
alles dessen; worauf ich bisher das Gepräge meiner Glückseligkeit und meines
Vergnügens gesetzt hatte, machte mich um so viel mitleidiger gegen die Seufzer
des Mangels, die ich aus der Brust dieser guten Leute empor steigen sah. Die
herzliche Erleichterung, so ich bei dem Entwurf meiner Hilfe fühlte, und die
ersten Tränen der Freude, die über die Wangen meiner Wirtin flossen, als ich
ihr davon redte, befestigten mich darin. Ich weinte mit; und glauben Sie, meine
Freundin, die Tränen, die wir über fremdes Elend weinen, sind lindernder
Balsam auf die Wunden unsers Herzens. - Der gute Fortgang aller meiner Anstalten
gefiel mir. Ich konnte wieder singen und Klavier spielen. Den Tag über besuchte
ich meine Leute, Abends las ich und übte meine Musik. Ich wollte nichts, als
Reisebeschreibungen, weil ich nur die physische und materielle Welt vor mir
wissen wollte; denn ich war mit jedem moralischen Begriff der andern missvergnügt
und im Streite. Dennoch fing ich an, mir zu sagen, dass, wenn das Schicksal die
Wünsche meiner Liebe befriediget hätte, so wäre dieses das Glück einer einzelnen
Person gewesen; diese dreizehn Familien würden noch darben, und ich würde von
meinem Wohlstand keinen so entzückenden Genuss von Seeligkeit empfunden haben,
als mir jetzo jeder Blick auf Eltern und Kinder gibt. - Aber als das letzte
Haus in Ordnung war, und ich meinem Geben und meinen Arbeiten ein Ziel setzte:
so entstund aus der Ruhe wieder das Gefühl von Leere. - Sie erschienen mir. Ich
bemerkte in Ihnen alle Eigenschaften, die ich bisher vergebens gewünscht hatte.
Dennoch kämpfte ich gegen meine Neigung für Sie. - Ich las zu meiner
Zerstreuung, und als Probe eines neuen moralischen Hülfsmittels, einen Auszug
der Kirchen- und Staatsgeschichte. Hier schöpfte ich Stärke und vernünftige
Befriedigang, und ich söhnte mich mit der ganzen Erde aus. - Der zu allen Zeiten
ungleiche Gang des menschlichen Geistes auf dem Wege der Wahrheit und Natur; das
Abweichen davon und Beharren auf Irrgängen; das traurige Schicksal so vieler
edlen Menschen; die große Gewalt, welche ganz kleinen Ursachen gegeben war, und
der Beweis, den ich fand, dass in der physischen und moralischen Welt
