, und dabei sanfte Ton, mit dem sie dieses sagte, hatte uns
gefreut. Julie U**, die eine nahe Verwandtinn von ihr ist, küsste ihre Hand und
sagte: »Sie werden jetzund aber durch die Verehrung schadlos gehalten, die beide
Geschlechter für Ihren Charakter haben!«
    »Ja, meine Julie! dies ist ein großer Ersatz, wenn unser Herz uns des
Zeugnis gibt, dass wir Verehrung verdienen, weil es das Höchste ist, was ein
Mensch dem andern geben kann; denn, ich glaube, wir gebrauchen diesmal den
Ausdruck nicht, wie er in Ansehung der Großen und Mächtigen aussieht, sondern,
wenn ich jemand von meinem Stande Verehrung beweise: so muss sie durch das
vorzügliche Verdienst des Geistes und der Tugend erworben sein. Und dann, liebe,
artige Märchens! ist es gewiss der schönste Augenblick des Lebens, diese
Gesinnung in der Seele meines Nebenmenschen erweckt zu haben. Ich wünsche.«
setzte sie mit einer Verbeugung gegen uns alle hinzu, »dass in neunzehn Jahren
ein eben so gefühlvolles Mädchen, wie unsere Julie ist, Sie meine jetztblühende
Freundinnen, der Verehrung ihrer Zeitgenossen versichern möge!« -
    Mich deucht, diese Frau hat die Gabe, ihren Umgang liebreich und angenehm
für junges Frauenzimmer zu machen. Ihre siebenzehn Jahr alte Tochter war mit bei
uns, Diese hat auch einige bedeutende Züge in ihrem Tun und Wesen. Zum Beweis,
sie spielt Klavier; hat aber ihren ganzen Fleiß allein auf den vollkommensten
Ausdruck und Nettigkeit des Andante verwendet, worin sie auch bis zur
zauberischen Rührung gekommen ist, indem sie jetzt schon entweder die süßeste
Schwermut, oder die sanfteste Seelenruh in ihre Zuhörer bringt, und die
außerordentliche Fertigkeit ihrer Finger nur in einem Laufe zeigt, den sie am
Ende eines Adagio anschliesst, eh sie es das zweitemal wiederholt. Denn, nachdem
hört sie nur durch eine Art von Seufzer auf, und lässt einem das ganze Gefühl, so
sie gab. Sie hatte bisher auf dem Landgut ihrer Eltern die Obsorge für die
Blumen und wohlriechenden Kräuter; die Tauben- und Hünerzucht stund auch unter
ihr, und das Konfect. Nun aber bekommt sie auch künftiges Jahr den Gemüsgarten,
Kenntnis der Obstbäume, Küchenaufsicht, nebst der Spinn- und Weberei, mit der
ganzen Weisszeugkammer zu führen. Kann sich hingegen von ihren Eltern
verschiedene Geschenke ausbitten. Die Geschichte hat sie mit ihrem älteren Bruder
gelesen, und der Kaplan des Orts lehrt sie der Frau Unzerinn Weltweisheit für
Frauenzimmer, und Moral, nebst der Englischen Sprache. Den Winter über bekommt
sie in der Stadt Unterricht im Zeichnen, Tanzen und Frauenzimmerputzarbeiten;
und hier nimmt auch ihre Mutter den Vorrat von schönen Büchern mit, die dann
bei den Frühstücken und an Regentagen gelesen werden. Wilhelmine
