
andern dem Gewühle der Stadt! Was soll auch ein, so ganz vom Wohlwollen
überfliessendes Herz für einen Wohnplatz suchen, als den, wo die meisten Wesen
mit ihm sympatisieren? jedes Grashälmchen, jede Aehre, und Pflanze, jeder
Obstbaum und Weinstock, führt Wohltätigkeit in den kleinsten Saftteilchen bei
sich; Luft und Wasser haben es auch, weil sie reiner sind als in den Städten, so
dass, wenn das Auge des wohlwollenden Menschen über die Fluren hinschaut, seine
Seele in dem nämlichen Augenblick das innige Vergnügen fühlt, lauter guttätige
Geschöpfe zu erblicken. Reine, vollkommene Freuden, die er in der Stadt nicht
gefunden hätte, weil da das Glück und die Bedürfnisse nicht mehr einfach sind,
und also auch durch verschiedene Wege erlangt werden müssen, und meistens
diejenigen, welche voraus gehen, oder die andern durch geschickte Nebengänge
übervorteilen, unmöglich als wohlmeinend angesehen, oder geliebt werden können!
Herr B** kommt auch sonst allezeit erst im halben November in die Stadt, und
eilt am Ende des Februar wieder zurück, um den Anfang des Frühlings nicht zu
verlieren; weil, wie er sagt, auf dem Lande jeder Busch und jede Staude ein
fröhliches Aussehen über die wiederkommende Kraft der Sonne hätte, Menschen und
Tiere dankbar neues Leben und Wonne fühlten; und ihm die kaltsinnigen Gesichter
der Städter, womit sie dem verjüngten Jahr entgegen sähen, unerträglich wären,
weil sie die Freuden, welche diese schöne Jahreszeit verspreche, nicht als
Wohltat, sondern gleichsam als schuldige Abgabe der Natur annehmen. Seine Frau
gehört in die Klasse derer von dem Charakter der Madame G**. Eine Probe davon
mag die artige Wendung geben, die sie letzt, bei einer Unterredung von Spiegeln,
einem Gedanken gab, da wir jungen Frauenzimmer uns die Beschreibung von einer
Glas- und Spiegelhütte, und deren Verfertigung von dem Herrn B** ausgegeben
hatten. Sie scherzte über unser andächtiges Zuhören, und sagte, sie wäre sicher,
dass wir den ersten Spiegelschleifer in unsern Herzen segneten, weil der liebe
Mann der Stifter aller der süßen Stunden sei, die wir unsern artigen Gesichtern
widmeten! Sie aber sie hätte ohnlängst die Entdeckung des moralischen
Verdienstes ihres Spiegels gemacht, dem sie in unsern Jahren auch jede
äußerliche Verzierung zu danken gehabt; von dem sie aber nun alle Tage die
freundliche Erinnerung erhielte, dass jetzo Weisheit und Reinlichkeit allein den
gesellschaftlichen Wert ihrer Person bezeichneten, ja, dass er ihr letzt, bei
aufkeimenden zu, zärtlichen Gesinnungen für einen liebenswürdigen Mann, ganz
derbe gesagt hätte: Liebe und Grazien wohnten sehr gerne in schön geworfenen
Falten eines Kleids, oder Halstuchs, aber nimmermehr in den anfangenden Runzeln
eines verjährten Gesichts, Sie hätte auch, seit demselben Augenblicke ganz
bescheiden die Verzicht auf alle Ansprüche des Gefallens unterschrieben.
    Der muntere
