 angelegt. Freiheit ist meine Losung bei Tisch, als Schriftsteller
- überall. - Ein Jesuiterräuschchen hat bei den trüben Tagen des Lebens nichts
zu sagen. - Zwar hab' ich mich bemüht, allen einschläfernden Erweiterungen
auszuweichen. Was ist aber ganz vollendet? Alles, was vollendet ist, ist dem
Menschen nicht auf seinen Leib, oder eigentlich auf seine Seele gemacht. Selbst
ihr Unsterblichen, du, Newton, und du, Kopernikus! wisst ihr denn auch gewiss, dass
alles so ist, wie es euch in einer glücklichen Nacht träumte? - Das rechte Wort
zu allen Empfindungen. - Könnt' ihr sagen, es ist vollendet? Ihr, die ihr selbst
nicht vollendet, sondern nur Numero sieben seid. Maulwürfe, können die
vollenden? Homer und Milton, Vater und Sohn; was meint ihr? - Ach Gott! du
allein, Unbegreiflicher, du allein bist vollständig, vollkommen. Alle
Erfindungen, so hoch man auch kommt, lehren nur den Menschen, wie weit er noch
vom Ziel sei. Die Hauptmenschen in der Welt verdienen nur den Namen Propheten.
Sie sagen, was künftig sein wird.
    Es würde die vires haereditatis übersteigen heißen, wenn sich irgend ein
Mensch einbilden wollte etwas zu schreiben, wovon er behaupten könnte, es wäre
so ganz da, wie er! Ein andres Schöpfer, ein andres Geschöpfe! Niemand kann
sagen: er sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe da, es war alles sehr
gut.
    Ein Fragment ist mir aus diesem Gesichtspunkt ein angenehmes Wort. Es ist
ein Menschenwerk. Der Mensch selbst kommt sich in dieser Welt nur als ein
Fragment vor, so ganz er gleich da ist. Heil ihm, dass er eben von diesem Ganzen
schließen kann, dass er selbst sich in allen Rücksichten begreifen, von allen
Zipfeln einst fassen werde, in der Fortsetzung seines Lebens, - in der andern
Welt!
    Das, was meinem Herzen von meinem Leben am meisten aufgefallen, hab' ich
mitgeteilt - und was die Zukunft betrifft - was kann mir künftig (beim Licht
die Sache genommen) viel mehr begegnen, als der Tod? - und da hoff' ich zu dem,
der in mir angefangen hat das gute Werk, er werde es durch seinen heiligen Geist
in mir bestätigen und vollführen, bis an diesen meinen jüngsten Tag, auf dieser
Welt und in der neuen. - Ein doppelter jüngster Tag! - Sollten sich Umstände
ereignen - wer weiß die Geschichte seines morgenden Tages, die eines Protokolls
wert wären? - so trag' ich es hiermit meinem beim Publico als Autor
eingeschriebenen Sohne Alexander Leopold auf, getreulich alles zu geben, wie er
es empfangen hat. - Gott segne dich, lieber Leopold
